Begleittext zur Ausstellung

Von Werner Oechslin

Eine illustrierte Fassung des Begleittextes steht in zwei Teilen als separates PDF zum Download zur Verfügung:

 

BASILICA, Aedes sacra, templum, ecclesia. (Vitrine 1)

  • „Basilicae prius vocabantur Regum habitacula, unde & nomen habent... Nunc autem ideo divina templa Basilicae nominantur, quia ibi Regi omnium Deo cultus & sacrificia offeruntur“. Charles Robert Cockerell, Rekonstruktion des antiken Forum Romanum, Radierung von Giacomo Rocrué.

Aus christlicher - nachantiker - Sicht steht der Kult im Mittelpunkt. Ein klar definierter Raumtyp, nach dem die Kunstgeschichte lange Zeit suchte, ist die Basilika nicht. Der Umstand, dass durch Vitruv (V,i) eine am Forum gelegene Basilika und zudem noch ein konkretes Beispiel (die von Vitruv selbst gebaute Basilika in Fano) beschrieben sind, und uns andererseits in konstantinischer Zeit eine durchaus andersartige und lange nachwirkende Bauform entgegentritt, hat schon immer für Unklarheit und Verwirrung gesorgt. Seit Alberti (VII,xiv) ist ein Zusammenhang der antiken Gerichtsbasilika ("tribunal") mit der christlichen Kirche als 'naturgemäss' hergestellt, wobei dieses Verhältnis mit "imitari" (nachahmen) und eben nicht mit "aequare" (gleich machen) umschrieben wird.

  • Louis Avril, Temples Anciens Et Modernes; Ou Observations Historiques Et Critiques Sur Les Plus Célèbres Monumens D’Architecture Grecque Et Gothique, Londres (Paris), Musier fils, 1774.
  • Joachim Hildebrand, De Priscae & primitivae Ecclesiae Sacris Publicis, Templis Et Diebus Festis Enchiridion collectum, Helmstedt, Hennig Müller, 1652.
  • Joseph Furttenbach d. J. , Kirchen Gebäw, Augsburg, Johann Schultes, 1649. Sebastiano Caprini, De Sacrarum Aedium Apud Christianos Amplitudine Et Ornatu Dissertatio Apologetico
  • Critica, Cesena, Gregorio Blasini, 1786.
  • Joseph Hill, Dissertation concerning the antiquity of churches: wherein is shewn, that the Christians in the two first centuries, had no such publick separte places for worship, as the papists generally, and some Protestants also presume, and plead for, London, Tho. Parkhurst, 1698 (keine Abb.).

Ableitungsversuche, Entstehungstheorien folgten, wurden kritisiert und wieder verworfen. Man hatte sich schon im 19. Jahrhundert – zu sehr an der äusseren Form interessiert - daran gewöhnt die "römisch-heidnische" von der "römisch-christlichen" Basilika (so Kallenbach, 1847) zu unterscheiden. Andererseits hatte sich die Bezeichnung der "altchristlichen Basilika" bald einmal durchgesetzt. Wilhelm Lübke versuchte in seiner "Vorschule zur Geschichte der Kirchenbaukunst des Mittelalters" den Übergang aus der Antike durch einfache - allzu einfache! - bauliche Massnahmen zu erklären:

„Damit der Blick auf den Altar frei werde, beseitigte man die Säulenstellungen, welche hier in der antiken Basilika die Kaufhalle vom Gerichtshofe getrennt hatten. Zugleich schloss man den grossen Mittelraum (das Schiff) durch ein mächtiges Dach, dessen Balken mit einer Felderdecke verbunden wurde“.

So hatte man sich einen 'Idealtyp' der Basilika herbeigeredet und gleichzeitig in einer linear angelegten Architekturgeschichte verankert. Die 'Geschichte der Basilika' selbst ist in Tat und Wahrheit durch Kontamination und Vielfalt der Formen und Funktionen bestimmt und hat gleichwohl die - gerade deswegen besonders brisante - 'Einheit des Gegenstandes' gewahrt.

  • Leone Allacci, De Templis Graecorum Recentioribus, ..., De Nathece Ecclesiae Veteris, ..., Nec Non De Graecorum Hodie Quorundam Opinationibus ... , Köln, Iod. Kalcovius, 1645.

Entsprechend breit ist die ältere und neuere Literatur, die sich aus der Herleitung des Begriffes 'Basilica' wesentliche Klärung versprach. Sie bildet für sich selbst genommen ein aufschlussreiches Kapitel 'architektonischer Kulturgeschichte'. Ob Basilica eine blosse "appellatio", ein Begriff wie ein anderer sei, wie Hospinianus suggeriert, ob man, wie 1625 Nicolaus Alemanni auf Grund der Schwierigkeiten mit der Bestimmung des "Triclinium Leonianum" feststellt, eine ganze Reihe unterschiedlichster Raumteile des Laterankomplexes jeweils als 'Basilica' bezeichnete, der Möglichkeiten sind viele. In Frankreich verursachte De Launoy einen noch von Mabillon berichteten Streit mit der Ansicht, der Begriff Basilika bezöge sich auf eine Klosterkirche, jener der 'ecclesia' dagegen auf Kathedrale und Pfarrkirche. Es werden verschiedenste architektonische und kultische Zusammenhänge - ein Umgang, Bestattung u.a.m. - hervorgehoben. Wie ein roter Faden zieht sich jedoch die Deutung durch die Literatur, gemäss der den "Regum habitacula" einem Zitat Isidors zufolge ("Regi omnium DEO cultus & sacrificia offeruntur") der christliche Kult nachgerückt sei, womit dann stillschweigend alle Auszeichnungen königlicher Bauten, ihr Charakter als "publica aedificia" und dementsprechend die "aedificii magnificentia" gleichsam übertragen worden seien. Dass auch aus den profanen Funktionen der antiken Basilika von Tribunal und Geschäft - im Sinne eines 'Thronsaales' Gottes oder einer fortgeführten, nunmehr päpstlichen Gerichtsbarkeit - Kontinuität abzulesen wäre, wurde durch das dominante Argument der Christianisierung überdeckt, so, wie es in einem Zitat Ausonius' herausgestellt wird: "Basilica olim negotiis plena, nunc votis, votisque pro tua salute susceptis".

  • Gottlieb Slevogt, Gründliche Untersuchung Von denen Rechten der Altäre, Tauf-Steine, Beicht-Stühle, Predigt- Stühle, Kirch-Stände, Gottes-Kästen, Orgeln, Kirchen-Music, Glocken, Thürmer und Gottes-Aecker, Aus dem Canonischen und Protestantischen Kirchen-Recht erläutert, Nebst einer Einleitung von der innerlichen und äusserlichen Gestalt der ersten Kirchen, Jena, Joh. Friedrich Ritter, 1732.

Die Bedeutung all dieser Herleitungen ist aber gerade deshalb wichtig, weil sie den 'römischen' Standpunkt einer Ablösung und auch Fortsetzung der kaiserlichen Macht im Papsttum beanspruchen und betonen. Das kontrastiert mit den im protestantischen Umfeld geläufigen Darstellungen, wonach dem "Templum Dei Hierosolymitanum" die alleinige Autorität als Ursprung des modernen Gotteshauses zukommt. Umso deutlicher steht die Basilika für die römischen, päpstlichen Ansprüche.

  • Georg Chladni, Inventarium Templorum, Particulatim continens Res eas, quae in Templis & extra illa sunt, Dresden, Johann Christoph Mieth, 1689.
  • Pompeo Sarnelli, Antica Basilicografia, Neapel 1686

Im Zeichen der Basilika erfolgt auch immer wieder der Versuch religiöser Erneuerung. Das Ausonius-Zitat wird so beispielsweise von Antonio Fonseca 1745 in seiner Monographie zur Basilika S. Lorenzo in Damaso bemüht, um von der Tradition der Basilika und den darin praktizierten Kultformen auf die aktuellen Bedürfnisse der Stärkung der Religion zu verweisen. Auch Pompeo Sarnelli verspricht sich aus der Analyse des Begriffes 'Basilica' grundsätzliche Erkenntnisse. Seine dem späteren Papst Benedikt XIII. gewidmete "Antica Basilicografia" (1686) setzt den Akzent auf eine systematisch vom Kult und von der Religion her gedachte Darstellung des Kirchengebäudes. Andererseits fügt sich die "Basilicografia" einer grossen Zahl von - bis heute von der Kunstgeschichte oft kaum beachteten - Untersuchungen an, die die Fragen von Kult, Kirchengebäude und deren Ausstattung aus allen Richtungen und Konfessionen zum Gegenstand haben.

 

Die Basilika und das Ringen um die neue Form des Kirchengebäudes: protestantisch und katholisch. (Vitrine 2)

  • Antonio Visentini (?), Schnitt durch Palladios S.Giorgio Maggiore, lavierte Zeichnung.

Als Karl Rosenkranz im Königsberger Kunstverein 1834 seine Einschätzung des "Verhältnisses des Protestantismus zur bildenden Kunst" mitteilte, stellte er fest: "die Architektur war beim Auftreten des Protestantismus als christliche vollkommen ausgebildet". So wäre eigentlich nur die Aufgabe geblieben, die lange zuvor die christliche Architektur insgesamt im Nachgang der Antike vorgefunden hätte: „Wie dasselbe (= Christentum) die Basiliken für seine Zwecke einrichtete, so modelte er (=der Protestantismus) die alten Dome, die gothischen Kirchen im Innern für seinen Standpunct um“. Das passt zu den damaligen Nord-Süd-Argumenten und zur Identifikation mittelalterlicher Baukunst mit der Idee der Kathedrale.

  • Etienne Martellange, Noviziatskirche der Jesuiten in Paris (nach 1631), Seitenansicht und Längsschnitt, lavierte Zeichnungen.

Wie präzis allerdings jenes 'Ummodeln' den Protestantismus auf die Fährte der Basilika gesetzt hat, belegt der berühmte Fall des nach Plänen von Salomon de Brosse nach 1623 errichteten (zweiten) Hugenottentempels in Charenton. De Brosse hielt sich an Vitruvs Basilika von Fano und schuf ein Werk, dem als überzeugender Prototyp eines protestantischen Kirchenbaus vor allem in Holland und England ein grosser Einfluss beschieden war. Der Tempel von Charenton wurde nach dem Edikt von Nantes 1685 zerstört.

  • Salomon De Brosse, Hugenottentempel in Charenton bei Paris (nach 1631), Stich von Jean Marot.

Bei diesem Bau, aber auch in der französischen Auseinandersetzung mit Vitruv (Claude Perrault), ging es nicht allgemein um 'Typen' oder bloss um Grundrisse. Das Bauwerk soll in den präzisen Massen und Proportionen der Säulenstellungen, der räumlichen Kompartimente, in all seinen Einzelheiten rekonstruiert und vorgestellt werden. Ein zu Ende gedachtes, umsetzbares Resultat war stets angestrebt und verlangte nach eindeutiger Abklärung. Dort, wo sich die Vitruvinterpreten mit dem Begriff der "chalcidica" (V,i,4) nicht einig waren, folgert Perrault auf seine Weise: "Comme je ne trouve aucune de toutes ces interpretations differentes qui me satisface, j'en forme une nouvelle...". Es geht um Anwendung und Durchsetzung der Regeln einer idealen, mit Autorität ausgestatteten antiken Architektur.
Auch von katholischer Seite sind die Anstrengungen zur Festlegung einer verbindlichen Form des Kirchenbaus gross. Die Noviziatskirche der Jesuiten in Paris, die nach den Plänen des Jesuitenarchitekten Etienne Martellange nach 1631 errichtet wurde, erfüllte gemäss dem Urteil der Zeitgenossen genau diesen Anspruch. Fréart de Chambray nennt die Kirche in seiner "Parallèle" (1650) "la plus régulière de Paris". Das Verdienst schreibt er dem Minister Sublet de Noyers zu, der insgesamt - u.a. mit der Rückberufung Poussins nach Paris - für eine dezidiert klassische Ausrichtung der französischen Kunst und Kultur eintrat. Im Gegensatz zum Tempel von Charenton entsteht bei Martellange (und auch bei Lemercier) eine zwar der Einfachheit und Regelhaftigkeit verpflichtete, aber doch viel freiere, 'moderne' und gleichwohl verbindliche und dementsprechend folgenreiche Lösung; sie tendiert von der Basilika weg zum 'Kirchenbau'.

  • Jacques Lemercier, Eglise de la Sorbonne, Stich von Jean Marot.
  • Claude Perrault, Les Dix Livres D’Architecture De Vitruve, Corrigez Et Traduits nouvellement en François, avec des Notes & des Figures, Paris, Jean Baptiste Coignard, 1673.

Bei Goldmann und Sturm wird die Basilika andererseits in der vitruvianischen Zuweisung als Markt und Börse weiterdiskutiert. Auch Palladio hielt sich an Vitruv und verbindet die "Basiliche de'nostri tempi" mit den üblichen "Sale publiche". Seine Basilica in Vicenza bezieht er auf die entsprechenden Bauten von Padua und Brescia. Die Kirchen stellt er dagegen in die Reihe der antiken Tempel. Umso erstaunlicher ist es, wie die räumliche Organisation etwa von S. Giorgio Maggiore (mit Schiff, Chor, Retrochor) derjenigen der Goldmannschen Basilika ähnelt. Die Ähnlichkeit erscheint auf den ersten Blick rein äusserlich - etwa so, wie der Grundriss des salomonischen Tempels im Amsterdamer Rathaus gespiegelt erscheint. Doch wird ersichtlich, wie sich mit diesen 'formalen Analogien', so auch im Fall der Basilika, mehr verbindet: das bei allen unterschiedlichen, funktionalen und konfessionellen Interessen gemeinsame Interesse an öffentlichen Räumen mit differenzierter, angemessener und praktikabler Innenteilung.

  • Leonhard Christoph Sturm, Vollständige Anweisung Regierungs-Land-und Rath-Häuser / Wie auch Kauff- Häuser und Börsen starck / bequem und zierlich anzugeben / Worinnen Nicolai Goldmanns Text Lib. IV. capp. 6. 7. 8. und 9 erläutert / Bey der Gelegenheit von den Basilicis der alten Römer gehandelt, Augsburg, Jeremias Wolff, 1718.

 

Die Höhepunkte römischer Basilikaforschung im 17. und 18. Jahrhundert – und die fortgesetzte Bautätigkeit in situ. (Vitrine 3 und 4)

  • Giovanni Ciampini, De Sacris Aedificiis A Constantino Magno Constructis. Synopsis Historica, Rom, Johann Jacob Komarek, 1693.

Mit zunehmender Beschäftigung geraten in Rom die Kirchen - und nicht nur die "Roma sotterranea" mit den Katakomben - in den Mittelpunkt des Interesses. Es wird erneuert und weitergebaut und geschrieben. Nicht nur den vier Patriarchalbasiliken, auch den kleineren römischen Basiliken gilt die vertiefte Aufmerksamkeit. Ein breites Schrifttum entfaltet sich. Es dient der Erforschung und Darlegung der historischen Tatsachen, die sich aus der langen Geschichte "pro Christiana Religione" beibringen lassen. Giovanni Ciampinis "De Sacris Aedificiis a Constantino Magno constructis" (1693) kommt dabei eine Schlüsselstellung zu. Ihm wird attestiert, er hätte aus den vernachlässigten historischen Resten - "tua scripta Ciampine!" - die Idee einer ewig dauernden (heilsgeschichtlichen) Wirklichkeit neu erstehen lassen.

  • Philipp Galle, Septem Urbis Ecclesiae Primariae Indulgentiarum Ac Frequentantium Multitudine Nobiles. Titelblatt einer Stichserie mit Darstellungen der Sieben Hauptkirchen Roms mit ihren Patronen.
  • (Giuseppe Garampi), Notizie, Regole, E Orazioni In Onore De’ SS. Martiri Della SS. Basilica Vaticana Per L’Esercizio Divoto Solito Practicarsi In Tempo Che Sta Ivi Esposta La Loro Sacra Coltre, Rom, Eredi Barbiellini, 1756.

Neu ist das alles nicht. Schliesslich steht und stand der Besuch der heiligen Stätten zumindest für den Rompilger stets im Zentrum des Interesses. Der Weg zu den Basiliken ist vorgezeigt. Man folgt den "Sette Chiese" oder den "Quattro Basiliche", wo der Reliquien- und Memorienkult in besonderer Weise gepflegt wird. In Rom ist man stets auf der Spurensuche. Die Losung heisst "Roma antica e moderna"; der Zusammenhang von alt und neu wird stets betont. Das Neue überformt das Alte, nimmt es in sich auf und beruft sich darauf.

  • Onofrio Panvinio, Le Sette Chiese principali di Roma, Rom, Antonio Blado, 1570.
  • Fioravante Martinelli, Roma Di Nuovo esattamente Ricercata nel Suo Sito Con tutto ciò di Curioso in esso si ritrova sì antico, come moderno. All’ Illustriss. E Reverendiss. Sig. Mons. Guido Passionei, Rom, Eredi del Corb, 1703.
  • Gio. Battista Vaccondio, Notizie Istoriche Delle Quattro Basiliche Di Roma, Rom, Eredi del Corb, 1700
  • Giovanni Severano, Memorie Sacre Delle Sette Chiese Di Roma, E de gl’altri luoghi, che si trovano per le strade di esse. Parte Seconda. In Cui Si Tratta Del modo di visitar le dette Chiese, Rom, Giacomo Mascardi, 1630 (keine Abb.).
  • Le Cose meravigliose De L’alma Città di Roma ... , Rom, Giovanni Osmarino, 1574 (keine Abb.).
  • Giovanni Marangoni, Delle Cose Gentilesche E Profane Trasportate Ad Uso, E Adornamento Delle Chiese, Rom, Niccolò e Marco Pagliarini, 1744.

Kontinuität und Zusammenhang sind das A und O, wenn es darum geht, die Legitimation der päpstlichen römischen Kirche zu untermauern. Man wollte der - vorwiegend protestantischen - Meinung, der Kirchenbau wäre idealiter einzig und allein auf den alten mosaischen Tempel zurückzuführen, etwas Konkretes, in situ, mitsamt der geschichtlichen Beweisführung (einer "archeologia christiana") entgegensetzen. Eine Argumentation, wie diejenige des apostolischen Protonotars Giovanni Marangoni, die die Kontinuität antiker Kultur in sakralen Stätten verständlich machen möchte, überrascht also nicht. Als man 1743 in S. Maria Maggiore bei der laufenden Bautätigkeit eine Doppelherme mit Epikur und Metrodor (heute im kapitolinischen Museum) fand, hielt er dies für ein völlig normales Ereignis und ergänzte, es hätten solche Überreste in christlicher Zeit ja auch bloss als "mera invenzione, per render più vaga l'Architettura" aufgefasst werden können.
Gemäss einer solchen umfassenden, alles einschliessenden Auffassung wird weitergebaut. Man ist sich dieser römischen Tradition bewusst und stellt dies an den wichtigsten Stätten in ganz besonderer Weise immer wieder heraus, was zudem einer übergreifenden Vorstellung der herausragenden römischen Basilika zudient.
In S. Maria Maggiore wurden in den 1720er Jahren nicht nur die Mosaiken gereinigt und danach (bis 1743) unter Wahrung der alten Mosaiken eine neue Fassade erstellt. Es folgte auch gleich eine Gesamtrenovation des Inneren mitsamt dem neuen Tabernakel (in entfernter Anlehnung an das Ziborium von St. Peter). Alles diente der Herausstellung einer idealen, erneuerten Form der alten Basilika, was sich auch bei der Regulierung und Erneuerung der Säulen ("ad veram formam") im Mittelschiff niederschlug.

  • Virgilio Vespignani, Innenansicht von Santa Maria Maggiore in Rom mit der 1864 neu eingerichteten Confessio, lavierte Zeichnung.

Solche regulierenden Erneuerungen plante hundert Jahre später auch Virgilio Vespignani für S. Lorenzo fuori le mura. [Entwurf im Untergeschoss ausgestellt.] Er trug den Titel "architetto effettivo delle quattro basiliche maggiori" und schuf in dieser Funktion 1864 in S. Maria Maggiore die Confessio, womit sich diese Basilika noch mehr derjenigen von St. Peter anglich.

  • (G. Piazza) Preci Che Si Ponno Usare Nella Visita Delle Sacre Stazioni Romane Secondo l’uso de’primitivi Secoli della Chiesa, Rom, Gaetano Zaenobi, 1702.
  • Raimondo Besozzi, La Storia Della Basilica Di Santa Croce In Gerusalemme, Rom, Generoso Salomoni, 1750. Filippo Rondinini, De Sanctis Martyribus Johanne Et Paulo, Eorumque Basilica In urbe Roma Vetera
  • Monimenta, Rom, Francesco Gonzaga, 1707. Francesco Marchese, Il Pellegrino Istruito distribuito in quindici giornate Da farsi nel viaggio delle quattro
  • Basiliche per conseguire il giubileo del anno santo... , Rom, Giovanni Bartolomicchi, 1774 (keine Abb.).
  • Filippo Rondinini, De S. Clemente Papa Et Martyre Ejusque Basilica In Urbe Roma Libri Duo, Rom, Francesco Gonzaga, 1706.
  • Anonyme Bleistiftzeichnung des Innenraums von San Clemente in Rom.
  • Giovanni Maria Crescimbeni, L’Istoria Della Basilica Diaconale Collegiata, E Parrochiale Di S. Maria in Cosmedin Di Roma, Rom, Antonio de’Rossi, 1715.
  • Giovanni Maria Crescimbeni, Stato Della Basilica Diaconale, Collegiata, E Parrochiale Di S. Maria In Cosmedin Di Roma Nel presente Anno MDCCXIX, Rom, Antonio de’Rossi, 1719.

 

"Trionfo del Cristianesimo": eine Allegorie mit konstantinischen Bauten. (Exkurs Vitrine 3 und 4)

  • Virgilio Vespignani, Monumenti Cristiani Sulle Ruine Dei Monumenti Pagani. Allegoria Del Trionfo Del Cristianesimo. Festarchitektur anlässlich der Wiederkehr des Einsetzungstages von Papst Pius IX. an Ostern 1865, Stich von Gio. Dellalonga.

Kaum ein anderer Architekt war im Rom des 19. Jahrhunderts so unmittelbar darauf bedacht, die Einheit des antiken und christlichen Roms herzustellen, wie Virgilio Vespignani.
Er befasste sich deshalb genauso mit der Rekonstruktion der antiken Überreste, wie mit der Renovation der kirchlichen Monumente, der grossen Basiliken insbesondere. Als Schüler Polettis, der S.Paolo fuori le mura wiederherstellte, und als Präsident der Accademia di S. Luca, verfügte er über die notwendige Kompetenz und Autorität. In Anbetracht der zunehmenden Schwierigkeit, den doppelten Anspruch des Papsttums, des "dominio spirituale" wie des "dominio temporale", zu verteidigen, erschien eine symbolische Vereinigung der antik-römischen, kaiserlichen mit der christlich-päpstlichen Architekturtradition als probates Mittel.
Genau dies war das Thema, das zu Ostern 1865 im Rahmen der üblichen ephemeren Aufbauten mitsamt Girandola in Szene gesetzt wurden. Gefeiert wurde der Tag der Inthronisierung Papst Pius IX. Und das Thema lautete passend "Allegoria del Trionfo del Cristianesimo". Vespignani inszenierte über die römischen Ruinen mitsamt dem Augustustempel die Basilika von S. Lorenzo fuori mura mit Turm und der von Pius IX. errichteten Säule "in honorem Laurentii Martyri". Seitlich fügte er Rekonstruktionen des Konstantinsbaptisteriums und des Mausoleums der Helena an. So wird insgesamt die Entstehung der konstantinischen, christlichen Architektur auf den Resten der antik-römischen Architektur zur Darstellung gebracht: als Zeichen der Kontintuität und als Legitimation fortgesetzter Tradition und Macht.

Bauforschung auf dem Weg zu Systematik und Typologie: J.B.L.G.Seroux d'Agincourt und J.N.L.Durand. (Vitrine 5 und 6)

Die systematische Aufarbeitung der 'mittel'-alterlichen Bauwerke erfolgt bei einem ihrer bedeutendsten Erforscher, J.B.L.G.Seroux d'Agincourt, im Zeichen der "décadence", genauer: "depuis sa décadence au IV.e siècle". Er wollte allerdings die Monumente selbst zum Sprechen bringen ("de les laisser parler eux-mêmes aux yeux"). Was er an Plänen und Zeichnungen von Denkmälern und Kunstwerken über ein reiches Beziehungsnetz zusammengetragen hat, brachte er in die Form einer systematischen, nach 'Perioden' gegliederten Kunstgeschichte.
An einen groben Bruch mit der Antike in konstantinischer Zeit glaubte Seroux d'Agincourt allerdings nicht. Trotzdem würden schon die Bauten Konstantins, so eben auch die "basiliques dont sa piété ordonna sa construction", belegen, "que l'architecture y était considérablement dêchue". S. Paolo fuori le mura und die nachfolgend dargestellten Bauten dienen also unmissverständlich der Dokumentation der "décadence". Die Abweichungen zu den antiken Basiliken und die weitere Entwicklung erklärt er durch die "besoins du culte". Die ausufernde Literatur zum Begriff der 'Basilika' ist ihm dabei kaum dienlich. Er hält sich an die Monumente. S. Clemente liefert ihm das Beispiel, das sich am besten in diese Vorstellung einer vom Kult her bestimmten 'primitiven' Architektur einfügt. Er apostrophiert das Bauwerk als "le modèle le mieux conservé de la disposition des églises primitives", so wie auch noch Le Corbusier - diesmal am Beispiel von S. Maria in Cosmedin - das alte griechische Ideal einer notwendigen "mécanique spirituelle" in der inneren Ausstattung (modern: 'Möblierung') entdeckt, sie als "conjugaison silencieuse" charakterisiert und gegen die Dekorationswut der Renaissance ("de dorures, d'horreurs") setzt: "c'est la beauté pure et simple de l'architecture".

  • Luigi Canina, Basilica Vitruviana con l’laggiunta dei Calcidici. Rekonstruktion der vitruvianischen Basilika. Aus: Ricerche sull’ architettura più propria dei tempj cristiani, 2te. erweiterte Ausgabe, Rom, tipi di Canina, 1846.
  • Jean Baptiste Louis George Seroux D’Agincourt, Histoire De L’Art Par Les Monumens, Depuis Sa Décadence Au IVe Siècle Jusqu’à Son Renouvellement Au XVIe, Paris, Treuttel Et Würtz, 1823.
  • Le Corbusier, Leçon de Rome, in: Esprit Nouveau, Heft 14 (keine Abb.).

Seroux d'Agincourt folgt andererseits dem Drang einer architekturgeschichtlichen Systematik 'mittelalterlicher' Baukunst. Sie entsteht nun eben nicht aus den Basiliken oder gar aus den Katakomben. Vielmehr verortet er den Ursprung irgendwo zwischen Terracina und einem schwedischen, vermeintlichen Odin-Tempel, der auch noch mit dem Theoderich- Grabmal in Ravenna in Beziehung gebracht wird. So liesse sich in nuce - mit der Bogenarchitektur - das Werden eines "type distinctif de l'architecture dite gothique" begreifen. Die systematische Architekturgeschichte hat also schon hier die Basilika ausbedungen und mit ihr die nicht-architektonischen Herleitungen und Begründungen.
Seroux d'Agincourt tut sich auch so schwer genug, 'seiner' gotischen Architektur die hinlänglich plausiblen Zeichen einer systematischen Entwicklung zu verleihen. Seine Synopse (Taf.xxxvi) der für diesen Entwicklungsgang bedeutenden Monumente, die das "règne du système d'architecture dit gothique" und damit "une manière de construire nouvelle et extraordinaire" begründen soll, zeigt eher Vielfalt als System. Die systematische Anordnung der Pläne und Diagramme kann darüber nicht hinwegtäuschen, weshalb das von Seroux d'Agincourt zitierte Diktum Muratoris gegen den vereinheitlichenden Begriff Gotik mehr zutrifft, als ihm lieb sein kann: "Sono tutte imaginazione vane".

  • Jean Baptiste Louis George Seroux D’Agincourt, Histoire De L’Art Par Les Monumens, Depuis Sa Décadence Au IVe Siècle Jusqu’à Son Renouvellement Au XVIe, Paris, Treuttel Et Würtz, 1823.
  • Jean Nicolas Louis Durand, Recueil Et Parallèle Des Édifices De Tout Genre, Anciens Et Modernes, Remarquables Par Leur Beauté, Par Leur Grandeur Ou Par Leur Singularité, Et Dessinés Sur Une Même Échelle, Paris 1800.

J.N.L.Durands Zielsetzung ist von Anfang an eine andere. Er denkt letztlich an die Aufgabe des Architekten zu entwerfen und zu bauen, und will zu diesem Zweck das verstreut in teuren Büchern gefasste 'architektonische Wissen' in eine einheitliche Form der Darstellung bringen: schematisch gestrafft, gekürzt und massstabsgleich. Hier ist die Typologie längst Methode. Entsprechend unbeirrt geht Durand über historische Differenzierungen hinweg. Der Begriff 'Basilika' ist dementsprechend weit gefasst. In der einschlägigen Tafel "Des Basiliques" setzt er ein diokletianisches Bauwerk aus Palmyra, Palladios 'moderne' Basilika in Vicenza und S. Paolo fuori le mura übereinander. Diese Art der Synopse entspricht durchaus dem Titel und der Absicht dieses Werkes, das als "Recueil et Parallèle des Edifices de tous genre, anciens et modernes...dessinés sur une même échelle" die einzelnen Werke aus dem Kontext herauslösen und einer umfassenden, architektonischen Typen- und Formenlehre zuführen will.
J.G.Legrand, der das Tafelwerk mit seinem "Essai sur l'Histoire Générale de l'Architecture" ergänzt, kommentiert diese der Basilika gewidmete Tafel und verbindet dies mit der Hoffnung einer Rückbesinnung auf das seiner Meinung nach Wesentliche: "à la forme pure des premières Basiliques pour tous les Edifices où nous voudrions réunir une grande assemblée, soit pour le culte, soit pour un objet communal". Aus der Zusammensicht der Basiliken aller Art und Orientierung hat sich längst ein neues, allgemeineres Architekturideal herauskristallisiert. Die Basilika ist nunmehr der Funktion eines grossen Versammlungsraums zugedacht, der kultischen wie politischen Zwecken dienen soll, so wie das ja - auch in der Vermengung von Staat und Religion! - in den republikanischen Feierstunden nach 1789, meist in ephemerer Form, vorgelebt worden war.

  • C. Lubitz, Vier Varianten eines „reichen“ Basilikaentwurfs aufgrund der Schemen der „Basilika der Alten“ aus: J. Andreas Romberg, Zeitschrift für Praktische Baukunst, Fünfter Jahrband,Tafelband, Leipzig 1845.

Durand hat die 'typologische', bis in moderne Zeiten hinein besonders wirksame - in Architekturschulen bis nach Russland befolgte - Sichtweise wesentlich beeinflusst. Nach Massgabe der gewünschten "combinaisons" lassen sich die alten basilikalen Grundrisse weiterentwickeln. Darin, in einer angewandten "Formenlehre" - auf der Grundlage einer "sich immer weiter verbreitenden Kunstbildung" - begreift auch J.Andreas Romberg eine der Hauptaufgaben der Architekturtheorie. Wie man ausgehend von einfachen linearen Grundformen (so auch der "Basilika der Alten") zu Variationsreichtum beim Entwerfen im neuen Kirchenbau gelangt, zeigt musterhaft eine Tafel, die sich 1845 in Rombergs "Zeitschrift für Praktische Baukunst" publiziert findet. Die Basilika ist auf diese Weise - vor allem grundrisslich! - wieder in den Entwurfsvorgang des Architekten einbezogen.

  • Typologie von Tempel / Basilika aus: Lehrgang in Baugeschichte, Mitschrift eines Studenten der Moskauer Akademie,1886.

 

G.B.Piranesi ergänzt über den Resten der Umgangsbasilika von S. Agnese eine symmetrische Anlage mit Portiken, Atrien, Treppenanlagen: im Sinne einer die "magnificenza" der antiken Architektur illustrierenden Gesamtanlage. (Exkurs Vitrine 5 und 6)

  • Giulio Aluisetti, S. Costanza fuori della Porta Pia a Roma, kolorierte Zeichnung, c. 1830.

Die 'typologische', an der übereinstimmenden oder zumindest ähnlichen Form von Bauten orientierten Sichtweise beruft sich letztlich auf nichts anderes als die Regelhaftigkeit ("régularité") der Architektur. Zu diesem obersten Prinzip gehören Proportion und Symmetrie.

  • Giovanni Battista Piranesi, Pianta del Mausoleo di Costanza figlia di Costantino Magno Imperatore. Oggi detto la Chiesa di S. Costanza presso S. Agnese fuori delle Mura. Radierung, Antichità, II, xxii.

Als G.B.Piranesi die baulichen Überreste der Umgangsbasilika beim Mausoleum S. Costanza aufnahm, bemängelte er vorerst die Qualität der Ausführung ("si allontana dalla soda regolata Architettura dei secoli anteriori"; Antichità, II, xxii). Ihm war andererseits klar, dass in diesem abgemessenen Bereich der "Gran Fabbrica sepolcrale" Bestattungen vorgenommen wurden. Trotzdem 'rekonstruiert' er eine zur - unerkannten - Basilika identische, symmetrische Anlage hinzu und bezieht das Ganze auf eine durch die Rotunde von S. Costanza gelegte Symmetrieachse. Piranesi schafft eine ideale, antike Anlage. Um das Mausoleum herum ergänzt er auf Grund bekannter Reste eine säulenbesetzte Ringhalle, einen "Ambulacro esterno". Und um den regelhaften Charakter seiner Anlage zu verstärken, erfindet er nun zudem in der Achse von S. Costanza einen grossräumigen Portikus, ein "Vestibolo", sowie ein von einer symmetrischen Treppenanlage gefasstes Atrium. Alles dient der Herausstellung des stets als exquisites 'antikes' Bauwerk geschätzten Mausoleums der "Costanza figlia di Costantino Magno Imperatore". Wegen der Regulierung der 'Anbauten' von S. Costanza ist dabei die Umgangsbasilika 'verschwunden', unentdeckt geblieben. Sie gehört - ante litteram - zu den nach- oder spätantiken Bauten der 'décadence'. Piranesi stellt an ihre Stelle eine neue, ideale Vorstellung der antiken Architektur.

 

Eine moderne architektonische Verallgemeinerung: Architektur der Öffentlichkeit. (Vitrine 7)

  • Il grande apparato fatto dall’Illma. Sig.ria di Venetia sopra il lido per la venuta di Henrico III Re di Francia et di Polonia l’anno 1574 de la presente opera e in sala del anti Pregadi Dipinta da Andrea Vicentino l’anno 1593. Festarchitektur am Lido von Venedig für die Ankunft von König Heinrich III. im Jahr 1574. Stich nach dem Wandbild von Andrea Vicentino in der Sala delle Quattro Porte im Dogenpalast in Venedig.

Dass die Basilika schon früh verallgemeinernd als 'grosser Versammlungsraum' begriffen wurde, überrascht nicht. Das entsprach ja letztlich der alten Definition und Herleitung als Markt und als Ort der Gerichtsbarkeit. Palladio hatte seine Basilika in Vicenza auf die entsprechenden Bauten in Padua und Brescia zurückgeführt und in den Quattro Libri zusammen mit den Platzanlagen und anderen öffentlichen Einrichtungen abgehandelt. Es gab stets genügend Anlass, nach spezifischen Formen einer den öffentlichen Bedürfnissen dienenden Architektur zu fragen. Häufig genug war solches 'ephemeren' Bauten zugewiesen, in denen umso deutlicher ideale Formen - wenigstens vorübergehend - zur Darstellung gebracht werden konnten. Der Empfang Heinrich III. 1574 in Venedig wurde nicht nur mit einem Triumphbogen, sondern zudem auch mit einem Säulenportikus - als "grande apparato" bezeichnet - architektonisch begleitet.

  • Giovanni Battista Piranesi, Foro antico Romano circondato da portici, con logge, alcune delle quali si uniscono al Palazzo Imperiale ed altre alle Carceri. Questo Foro dappertutto e attorniato di magnifiche scale presso alle quali vi stano Cavalli, e Fontane che servono di ornamento alle medesime. Radierung, Prima Parte, 1743.

Das antike Forum, an dem ja auch die Basilika in der Achse zur "Curia" angegliedert war, wurde stets in solchen Formen vorgestellt oder rekonstruiert. Daraus liess sich auch eine Vorstellung gewinnen, wie sich öffentliche Bauwerke generell von andern durch Aufwand und durch spezifische Formen abheben würden. Seit Alberti bilden die Säule und der Portikus diesbezüglich die äusseren Zeichen. G.B. Piranesi hat in dieser Tradition in seiner "Prima Parte" (1743) ein "Foro Antico" entworfen und sich dabei eine öffentlich wirksame Architektur aus Säulen, Portiken, Giebeln, Loggien, Treppen und Reiterstandbildern ausgedacht. Öffentliche Architektur fasste er in die - alte - Vorstellung der "magnificenza", die bald einmal zum Stichwort einer "magnificenza pubblica" ausgeweitet werden sollte.

Kunstgeschichtliche Formenlehre und der Drang der Herleitung. (Vitrine 7)

  • Antonio Nibby, Della Forma E Delle Parti Degli Antichi Templi Cristiani Dissertazione, Rom, De Romanis, 1825.

Die typologische Betrachtungsweise (und Entwurfsmethode) begünstigt zweifelsohne den Grundriss. Auch die Kunstgeschichte hat sich bei ihren Analysen vornehmlich am Grundriss orientiert. Man kann darüber spekulieren, wie sehr dies mit dem archäologischen Elend zusammenhängt, oft nicht mehr als klägliche, 'grundrissliche' Spuren und Mauerreste vorzufinden. Andererseits ist unverkennbar, dass auch der Architekt - auch in der Moderne - das Bauwerk mitsamt seinen Funktionen in erster Linie vom Grundriss her denkt. Insofern überrascht der kunstgeschichtliche Eifer, mit dem einer "Entwicklungsgeschichte des abendländischen Basilikengrundrisses" nachgegangen wird, kaum.
Dahinter verbirgt sich der allgemeine und verbreitete Drang, geschichtliche Phänomene insgesamt in eine verlässliche oder gar systematische, nicht nur 'typologische', sondern auch 'genetische' Reihe zu stellen. Auf einer solchen Grundlage könnte der Basilika, darauf richtete sich wohl die Hoffnung, umso besser eine 'universale' architektonische Bedeutung zuerkannt werden. F.von Quast hat - u.a. auf Aloys Hirt aufbauend und im Rückgriff auf Vitruv - eine solche Betrachtung 1843 im Rahmen des Winckelmann-Festes vorgetragen. Er beendete seine Ausführungen damit, er wolle "noch ein fremdes Land und eine fremde Architektur in das Bereich der Basilikenform hineinziehen". (Er meinte die grossen 'Säle' ägyptischer Tempel, als ob dies im Grundsatz nicht schon anderweitig bei Vitruv dargelegt und über Palladio bis zu Lord Burlington weitergewirkt hätte!) Diese radikale Verallgemeinerung brachte Quast schon im ersten Satz seines Vortrages auf den Punkt:
„Unter den vielen Gattungen eigenthümlicher Gebäudeanlagen, in denen das Alterthum, neben Befriedigung des äussern Bedürfnisses, zugleich den inneren Anforderungen einer höhern Kunstanschauung zu genügen wusste, und so einen scharf ausgeprägten, nur dieser Gattung eigenthümlichen Typus feststellte, giebt es wohl keine, welche in gleicher Weise bestimmt war, in die neue Zeit hinüberzugreifen und ihrer Architektur zum Ausgangspunkte zu dienen, wie die Basilika“.

  • August Christian Adolf Zestermann, De Basilicis Libri Tres, Brüssel, M. Hayez, 1847.
  • Ferdinand von Quast, Die Basilika Der Alten mit besonderer Rücksicht auf diejenige Form derselben, welche der christlichen Kirche zum Vorbilde diente, Berlin, Carl Reimarus, 1845.
  • Georg Weise, Studien zur Entwicklungsgeschichte des abendländischen Basilikagrundrisses in den frühesten Jahrhunderten des Mittelalters, Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Heidelberg, Carl Winter, 1919.
  • E. Langlotz / F. Deichmann, Basilika, Reallexikon für Antike und Christentum. Bd.1, Stuttgart 1950. Hermann Wurz, Zur Charakteristik Der Klassischen Basilika, Strassburg, Heitz 1906.
  • Jakob Prestel, Des Marcus Vitruvius Pollio Basilika zu Fanum Fortunae, Zur Kunstgeschichte des Auslandes, Heft IV, Stassburg, Heitz, 1901(keine Abb.).

Diesen Höhenflug zur "höhern Kunstanschauung" kommentierte ein Leser mit Bleistift in seinem Exemplar: "Quast wat'n Quatsch!" Es hielt schwer, einer solchen Verallgemeinerung zu folgen, die ja die Geschichte benützte, um ganz wörtlich deren Transzendierung zu betreiben. Allein, genau dies ist allen Unkenrufen zum Trotz eingetreten: die Moderne hat die Basilika auf ihre Weise, im Sinne der von ihr wahrgenommenen Aufgabe der Hallenbauten, neu entdeckt.

 

Die 'moderne' Basilika: "Carcasse", "granges", "hangars", "Hallenbauten", "Neue Raumkunst". (Vitrine 8)

  • Luigi Canina, Basilica Vitruviana, Basilica Di S. Lorenzo, Basilica Di S. Agnese. Aus: Ricerche sull’ architettura più propria dei tempj cristiani, 2te. erweiterte Ausgabe, Rom, tipi di Canina, 1846.

Le Corbusiers "Leçon de Rome", die er zuerst in "Esprit Nouveau" und dann in "Vers une Architecture" (1923) publizierte, entsteht gleichsam auf dem Rückweg aus Griechenland, wo er seine Initiation gemäss der "Prière sur l'Acropole" von Ernest Renan und im Sinne einer "architecture pure création de l'esprit" erfahren hat. Rom bietet sich ihm umso zwiespältiger und enttäuschend an: "choc en retour de la Grèce, par Byzance". Es ist ein Ort, in dem Gefahren und Verführung ("un bazar") warten. Es gibt aber auch Ausnahmen wie diejenige von S. Maria in Cosmedin, wo er doch wieder Griechenland, wenn auch kein klassisches, entdeckt ("une Grèce bien loin de Phidias"). Es sind "des Grecs d'origine" die hierher gekommen sind, um S. Maria in Cosmedin zu bauen. Le Corbusier erklärt dies mit der dem Bauwerk zugrundeliegenden Mathematik, mit dem "sens des rapports", die zur "perfection" führe. "Il est une chose qui nous ravit, c'est la mesure."

  • Le Corbusier, Quand Les Cathedrales Etaient Blanches. Voyage Au Pays Des Timides, Paris 1937. Le Corbusier, eigenhändiges Manuskript des ersten Kapitels des Werkes Quand les cathédrales étaient blanches. Le Corbusier, Vers Une Architecture. Nouvelle édition revue et augmentée, Paris 1925 (keine Abb.).

Genau das findet er in S. Maria in Cosmedin und zudem die - im Kontrast zu barocker Farbigkeit hier festgestellte - Farbe weiss, die ihn in dieser kleinen Kirche ("cette toute petite église") an ein Absolutes denken lässt: "c'est l'absolu". Le Corbusier verabsolutiert auch die Form von S. Maria in Cosmedin, die Basilika. Er verbindet sie mit der ihm naheliegenden 'modernen' Vorstellung der "hangars": "Le motif n'est qu'une basilique, c'est à dire cette forme d'architecture avec laquelle on fait les granges, les hangars".
Wie die Getreidesilos zählt der Hangar in Orly von Freyssinet zu den Inkunabeln der modernen Architektur. Hier setzt sich also die Tradition jener 'grossen Versammlungsräume' der Basilika fort. Sie ist im "Crystal Palace" von 1851 mitgedacht, wird in den modernen "Hallenbauten" - mit 'basilikalem Aufriss'(!) - weiterentwickelt und gelangt schliesslich zu dem, was als "Neue Raumkunst" insgesamt apostrophiert wird. (Solche Verallgemeinerungen hat ja auch die zeitgenössische, 'moderne' Kunstgeschichte gepflegt. Ernst Langlotz warf 1972 der Jantzenschule - mit Bezug auf die Basilikaforschung - vor, sie würde einer "rein impressionistischen Betrachtungsweise" zufolge Bauten "nur als optische Raumeindrücke" wahrnehmen. Allein, auch bei der - 'konkreteren' - Diskussion von "Raumkörpern", hat sich die Kunstgeschichte längst auf die modernen Universalisierungen und Typisierungen eingelassen.)
Der 'Modernitäts-Vorzug' der Basilika schwang ja schon bei den Kommentaren Legrands zu Durand und zu dessen Synopse der "Basiliques" mit. Und schon zuvor, 1774, war dem Abbé Louis Avril die nackte Grösse der frühen basilikalen Bauten aufgefallen, die allein dadurch an alte römische "magnificence" erinnern würde. Er nannte es die "carcasse de l'édifice", was eben a posteriori wie die Einsicht in die Modernität der alten, durch Zerfall und Zerstörung freigesetzten Konstruktionen klingt. Wenn die Wolkenkratzer einem bekannten Diktum zufolge die Kathedralen der Moderne sind, so sind die "hangars" und die Hallenbauten, die Märkte und Fabrikationshallen und die Bahnhöfe insgesamt die 'Basiliken' der Moderne. In ihnen finden sich die alten Prinzipien von Mass und Zahl, die Proportionen und die Perfektion in adäquater - und reiner - Form eingelöst, so wie es Le Corbusier am kleinen Beispiel von S. Maria in Cosmedin vordemonstriert.
Le Corbusier appelliert an diese ewige Modernität, wenn er in "Quand les cathédrales étaient blanches" (1937) schreibt, weiss seien sie, weil sie neu seien, immerwährend und symbolhaft neu wie alle gute und zeitlose Architektur. Insofern ist der jeweilige Nutzen und Gebrauch von untergeordneter Bedeutung; Kathedralen sind auch "maisons du peuple".

  • Ludwig Hilbersheimer, Hallenbauten, Leipzig 1931.
  • Herbert Hoffmann, Die Neue Raumkunst In Europa und Amerika, Stuttgart 1930.
  • Thomas Penberthy Bennett, Bauformen In Eisenbeton, Berlin 1927.
  • Jahrbuch des Deutschen Werkbundes 1914. Der Verkehr, Jena, Eugen Diederichs, 1914 (keine Abb.).

 

Die Überformung des antiken durch das christliche Rom: die Basilika im römischen Stadtgrundriss. (Vitrine 9 und 10)

  • Pianta Di Roma Come Si Trova Al Presente Colle Alzate Delle Fabriche Piu Nobili Cosi Antiche Come Moderne. Bez.: Lievin Cruyl delin., Giulio Testone Romano sculp., Neudruck von Carlo Losi 1773.

Die Neubegründung des christlichen Roms im Zeichen der Gegenreformation beginnt gleichsam im Untergrund, in den Katakomben. Ihre Spuren ähneln denjenigen, die durch die antiken Überreste in den Romplan gezeichnet sind. Antike Basiliken finden sich in den severischen Marmorplan eingeritzt, den Bellori erstmals publizierte. Die 'modernen', christlichen Basiliken erscheinen in den im 16., 17. und 18.Jahrhundert aufgelegten Plänen wie antike Überreste. Legt man all diese graphischen Erzeugnisse 'übereinander', so erkennt man, wie insgesamt die römischen Monumente - die antiken wie die christlichen - ineinander verschachtelt sind und immer den gleichen römischen Stadtplan 'schichtweise' und symbolhaft hervorkehren, sodass in ihnen eben die Geschichte selbst unmittelbar zur Darstellung gelangt.

  • Carta Comparata di Roma antica e moderna. Francesco Vallardi, 1868.
  • Urbis Ichonographiam A Leonardo Bufalino Ligneis formis Evulgatum, Servata Proportione contractam Atq Aeri incisam Jo. Bapta, Nolli Geometra&Architect Novocom. Neuedition des Romplans von Leonardo Bufalini durch Giovan Battista Nolli, gestochen von Francesco Monaco und Carlo Nolli, 1748.

Das hat Methode. Palimpsest ist die Form und die 'Überformung' das Prinzip, dessen sich die - beweisführende - Geschichte bedient. Alles kennt seinen Präzedenzfall, im Plan und in der figürlichen Rekonstruktion und bezieht daraus seine Legitimation. Es hält nicht schwer, dies auf die päpstlichen Interessen auszurichten und in entsprechende Bilder zu setzen. Die Basilika war insofern stets mit einem römischen Anspruch ausgestattet. Und die Fortschreibung dieser Erfolgsgeschichte konnte von Rom aus betrieben werden. Sie erfolgte - bei Canina und Vespignani - in einhelliger Abstimmung mit der antiken, klassischen - und vitruvianischen - Tradition, während man im Norden in erster Linie aus der mittelalterlichen Vergangenheit schöpfte, um im 19.Jahrhundert der Basilika einen neuen Ort in der Sakralbaukunst zuzuweisen.

  • Luigi Canina, Tavole Per Servire Alla Dimostrazione Di Quanto Fu Dichiarato Nella Espositione Storica E Topografica Del Foro Romano E Sue Adiacenze, Edizione Seconda, Rom, Dai Tipi Dello Stesso Canina, 1845.
  • Gianbatista Caporali, Architettura Con Il Suo Commento Et Figure. Vetruvio In Volgar Lingua Raportato, Perugia, Iano Bigazzini, 1536.
  • Luigi Canina, Basilica di Fano architettato di Vitruvio. Rekonstruktion von Vitruvs Basilika in Fano. Aus: Ricerche sull’ architettura più propria dei tempj cristiani, 2te. erweiterte Ausgabe, Rom, tipi di Canina, 1846.
  • Giovanni Pietro Bellori, Fragmenta Vestigii Veteris Romae Ex Lapidibus Farnesianis Nunc Primum In Lucem Edita, Rom, Giuseppe Corvi, 1673.
  • Gianbatista Caporali, Architettura Con Il Suo Commento Et Figure. Vetruvio In Volgar Lingua Raportato, Perugia, Iano Bigazzini, 1536.
  • Luigi Canina, Pianta generale del Santuario di Oropa. Entwurf für einen Kirchenneubau in Oropa und Pianta della nuova Chiesa del Santuario di Oropa. Aus: Ricerche sull’ architettura più propria dei tempj cristiani, 2te. erweiterte Ausgabe, Rom, tipi di Canina, 1846.
  • Luigi Canina, Pianta und Situazione della Chiesa Cattedrale di S. Giovanni proposta in sostituzione dell’attuale Situazione. Entwurf für einen Kirchenneubau der Kathedrale von Torin. Aus: Ricerche sull’ architettura più propria dei tempj cristiani, 2te. erweiterte Ausgabe, Rom, tipi di Canina, 1846.
  • Virgilio Vespignani, Pianta della Basilica di S. Lorenzo fuori le mura con progetto di generale restauro, lavierte Zeichnung.

Längst hat sich in Europa das kulturelle Nord-Süd-Gefälle bemerkbar gemacht, nicht ohne chauvinistischen nationalen Stereotypen anheimzufallen. In Rom publiziert Angelo Uggeri unter dem mittlerweile üblichen Titel der "décadence" die Grundrisse der römischen Basiliken und fügt dem nach bekanntem historiographischen Muster und zudem in prononciert anti-nördlicher Diktion seine Geschichtsauffassung hinzu. Bei den Griechen hätte die Architektur ihre "adolescence", bei den Römern die "virilité" erreicht, danach sei die "douloureuse vieillesse" in einer bizarren und kapriziösen Architektur, "appellée architecture Allemande", auf- und untergegangen.

  • Angelo Uggeri, Edifices De La Decadence. Partie II. Du supplement Aux Journees Pittoresques Des Edifices De Rome Antique, Rom 1809.
  • Heinrich Hübsch, Die Altchristlichen Kirchen nach den Baudenkmalen und älteren Beschreibungen und der Einfluss des altchristlichen Baustyls auf den Kirchenbau aller späteren Perioden. Dargestellt und herausgegeben für Architecten, Archäologen, Geistliche und Kunstfreunde, Karlsruhe 1862.
  • Luigi Canina, Ricerche Sull’Architettura Più Propria Dei Tempj Christiani E Applicazione Della Medesima Ad Una Idea Di Sostituzione Della Chiesa Cattedrale Di S. Giovanni In Torino, Rom 1843.

In Deutschland und Frankreich erneuert sich die Architektur aus den mittelalterlichen Domen und Kathedralen und - modernen Interessen vorgreifend - aus der gotischen Konstruktion. Heinrich Hübsch, der damals die Frage des 'Stils' aufwarf, berücksichtigt zwar "den Einfluss des altchristlichen Baustils", ein Rückgriff ist das allerdings nicht, sondern der Gang einer Entwicklung. In Italien plädiert umgekehrt Luigi Canina für eine Erneuerung der Sakralbaukunst auf der Grundlage der 'klassischen' vitruvianischen Basilika und bemüht sich, dies als "architettura più propria dei Tempj cristiani" (1843 und 1846) - als angemessen und richtig - auszuweisen. Schliesslich hatte er ja wenig später auch versucht, die Glasarchitektur von Paxtons 'Crystal Palace' nach dem Modell der pompejanischen Malerei zu dekorieren und in die (römische) Geschichte zurückzuholen.

  • Carlo Amati, Dell’Architettura Di Marco Vitruvio Pollione Libri Dieci, Mailand, Giacomo Pirola, 1829.
  • Heinrich Hübsch, Die Altchristlichen Kirchen nach den Baudenkmalen und älteren Beschreibungen und der Einfluss des altchristlichen Baustyls auf den Kirchenbau aller späteren Perioden. Dargestellt und herausgegeben für Architecten, Archäologen, Geistliche und Kunstfreunde, Karlsruhe 1862.
  • Georg Jakob, Die Kunst im Dienste der Kirche. Ein Handbuch für Freunde der kirchlichen Kunst. Vierte, verbesserte Auflage, Landshut 1885.
  • Wilhelm Lübke, Vorschule zur Geschichte der Kirchenbaukunst des Mittelalters, Vierte umgearbeitete und vermehrte Auflage, Leipzig 1858.
  • Wilhelm Lübke, Vorschule Zum Studium Der Kirchlichen Kunst Des Deutschen Mittelalters. Sechste Verbesserte und Vermehrte Auflage, Leipzig 1873.
  • Georg Gottfried Kallenbach, Die Baukunst des Deutschen Mittelalters chronologisch dargestellt, mit besonderer Rücksicht auf die Entwicklung des Spitzbogenstyls ... , München 1847 (keine Abb.).

Die grossen Basiliken von Rom: ewige Erneuerung und Baustelle. (Vitrine 11 und 12)

  • Philipp Galle, Septem Urbis Ecclesiae Primariae Indulgentiarum Ac Frequentantium Multitudine Nobiles. Titelblatt einer Stichserie mit Darstellungen der Sieben Hauptkirchen Roms mit ihren Patronen.

Nichts unterstreicht die Bedeutung und den hohen Stellenwert der römischen Basilika besser als die ständige Bautätigkeit und der stets anhaltende Prozess der Veränderung und Erneuerung, von dem gerade die bedeutendsten Monumente in Rom betroffen waren. Die Überführung von Alt-St. Peter in die neue erste Kirche der Christenheit war mehr als ein Jahrhundertprojekt. Aber die Erneuerung erreicht auch andere Orte wie Ravenna, wo die alte Basilica Ursiana - nach vorangegangener Dokumentation der Mosaikwand und anderer Relikte - schlichterhand durch einen Neubau nach dem Vorbild der römischen Kirche von S. Ignazio von Gianfrancesco Buonamici ersetzt wurde. (Die aufwändige Publikation von 1748 dokumentiert beides!)

  • Martino Ferrabosco, Architettura Della Basilica Di S. Pietro In Vaticano. Opera di Bramante Lazzari, Michel’Angelo Bonarota, Carlo Maderni, e altri famosi Architetti. Di nuovo data alle Stampe Da Monsignore Gio. Battista Costaguti Iuniore, Rom, Stamperia della Reverenda Camera Apostolica, 1684.
  • Filippo Buonanni, Numismata Summorum Pontificum Templi Vaticani Fabricam Indicantia, Chronologica ejusdem Fabricae narratione, ac multiplici eruditione explicata, ... , Rom, Domenico Antonio Ercole, 1696 (keine Abb.).
  • Mattia de’ Rossi, Matteo Gregorio Rossi, Prospetto Et Alzata Di Dentro Della Gran Fabbrica Della Basilica Di San Pietro In Vaticano Di Roma, mit Widmung an Lodovico Lenzi, Radierung, Matteo Gregorio Rossi, 1682.
  • Alessandro Specchi, Veduta Interiore Della Gran Basilica Di S. Pietro, mit Widmung an Giovan Battista Abbate del Palagio, Radierung, Gio. Giacomo de Rossi, 1687.
  • Cesare Rasponi, De Basilica Et Patriarchio Lateranensi Libri Quattuor Ad Alexandrum VII. Pont. Max. , Rom, Ignatio Lazzari, 1656.
  • Francesco De Vico, De Nova Lateranensis Ecclesiae Consecratione Discursus“, Rom, Rocco Bernabo, 1725 (keine Abb.).
  • Gianfrancesco Buonamici, Metropolitana Di Ravenna Architettura Del Cavaliere Gianfrancesco Buonamici Riminese, Bologna, Lelio Dalla Volpe, 1748.

Im Falle von S. Paolo fuori le mura ist es die Brandkatastrophe der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1823, die einen Neubau notwendig machte und mittelbar der Vorstellung der Basilika eine neue Aktualität verlieh. Wie hier "sotto il duplice rapporto di arte e di economia" zielstrebig der Wiederaufbau ("sollecito e magnifico rifacimento") vorangetrieben werden sollte, wurde 1830 durch öffentlichen Anschlag (die von Uggeri unterzeichneten 'Notificazioni') kundgetan.

Man war sich der Bedeutung des Unternehmens bewusst und erinnerte sich - so Luigi Moreschi - an das ursprüngliche Gemeinschaftswerk von Kaiser und Papst in der konstantinischen Basilika. Die erneuerte Basilika sollte weiterhin davon zeugen, was man bald litaneienhaft wiederholt findet: Rom sei "in ispecial modo dal Cielo destinata a governare i popoli". Mehr als je zuvor steht die Basilika als Inbegriff päpstlicher Macht. Wie aktuell dieses Anliegen war, demonstriert beispielsweise A. Coppi. Er hatte seine Überlegungen unter dem Titel "ROMA destinata dalla provvidenza di Dio per la Libertà dei Papi" erstmals 1814 in der Accademia Tiberina vorgetragen, als mit der Rückkehr Pius VII. das "dominio temporale della Santa Sede" gerade wiederhergestellt worden war. Mit der Zweitausgabe publizierte A. Coppi einen 'Appendice', in dem - wiederum - einer päpstlichen Rückkehr, derjenigen Pius IX. am 12.April 1850, zu gedenken war. Es bestätigt sich nur, wie eng die Idee der römischen Basilika mit dem Papsttum verquickt war, dessen Präsenz sie zur Darstellung und zur Evidenz - gerade in jenen politisch schwierigen Zeiten kurz vor der Auflösung des Kirchenstaates - bringen sollte.

  • Giovanni Battista Silvestri, Prospettiva della Basilica Ostiense, disegnata la sera dopo il suo incendio Totalmente accaduto nel 1823. Blick in die abgebrannte Basilika San Paolo fuori le Mura, 1823. Aquarell.
  • A. di Brazza, Der Brand der Basilika von S. Paolo fuori le Mura am 15./16. Juli 1923, Farblithographie.
  • Maria Nicolai, Della Basilica Di S. Paolo, Rom, De Romanis, 1815. Notificazione der Commissione Speziale Deputata Alla Riedificazione Della Basilica Ostiense, Rom, 10. Januar
  • 1830. Ausschreibung, neue Offerten für die Reinigung der Säulenschäfte einzugeben.
  • Notificazione der Commissione Speciale Deputata Alla Riedificazione Della Basilica Di San Paolo, Rom, 28. März 1830. Ausschreibung, die vierzig neuen, aus Carraramarmor gehauenen Kapitelle zur Basilika San Paolo fuori le Mura zu transportieren.

(Ohne Abbildungen:)

  • Giuseppe Melchiorri, Intorno La Nuova Cappella A Cornu Epistolae Nella Basilica Di S. Paolo Sulla Via Ostiense Inventata Ed Eseguita dal Professore Luigi Poletti, Auszug aus dem Giornale Dell’Ape Italiana Delle Belle Arti, Bd. IV, Fasz. II.
  • Francesco Massimiliano Laboureur, Parere Sopra La Scelta Della Pietra Per Le Grandi Colonne Della Basilica Ostiense Di S. Paolo, Rom, Francesco Bourliè, 1826.
  • Luigi Moreschi, Intorno La Festività Della Commemorazione Di San Paolo Solennizzata Il Di’ 30 Di Giugno 1841... . Orazione, Rom, Tipografia dell’Ospizio Apostolico, 1841.
  • Luigi Moreschi, Osservazioni Sulla Sedia Pontificale Ch’Era Nell’Abside Della Basilica Di San Paolo Sulla Via Ostiense, Rom, Tipografia della Rev. Camera Apostolica, 1830.
  • Luigi Moreschi, Indicazione Dei Dipinti A Buon Fresco Rappresentanti Le Principali Geste Dell’Apostolo San Paolo Ed Eseguiti Nella Sua Basilica Sulla Via Ostiense, Rom, Tipografia della Rev. Camera Apostolica, 1867.
  • La Distribuzione Dei Premj Solennizzata Sul Campidoglio Li 5 Ottobre 1824. Dall’ Insigne Accademia Delle Belle Arti Pittura, Scultura Ed Architettura In S. Luca, Rom, De Romanis, (1824).
  • Angelo Uggeri, Della Basilica Di S. Paolo Sulla Via Ostiense, Rom 1832.