Forschungsprojekte an der Bibliothek Werner Oechslin

    

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Die Stiftung Bibliothek Werner Oechslin unterstützt die folgenden wissenschaftlichen Projekte:

 

Architekturtheorie

Dieser Forschungsschwerpunkt verfolgt die systematische Aufarbeitung der architekturtheoretischen Literatur im Sinne einer umfassenden wissenschaftsgeschichtlichen Erschliessung und Katalogisierung der Quellenschriften (Zensus). Das Projekt bildet die Grundlage für spezifische Einzeluntersuchungen, die sich auf Teilbereiche wie auf besondere Fragestellungen architektonischer Theoriebildung beziehen (etwa Zeichnung, Modell, Bild-Text-Diskurs, Begriffsbildung, Entwurfsstrategien u.a.m.). Der "Zensus" basiert auf Forschungsarbeiten, die seit 1989 am Institut gta (Institut für Geschichte und Theorie der Architektur) der ETH Zürich geleistet werden.

 

Studium antiker Architektur um 1550: Der Berliner Codex Destailleur D und sein Umfeld

Die Epoche, die sich den Namen Rinascimento / Renaissance gab – also "Wiedergeburt (der Antike)" –, ist durch vielfältigste Bemühungen gekennzeichnet, die Kultur vor allem des antiken Rom zu studieren und so wieder – teilweise – zum Leben zu erwecken: Gelehrte, Architekten, Bildhauer, Maler und andere Interessierte studierten die antiken Schriften, Bau- und Kunstwerke und bezogen daraus Anregungen, die bis heute nachwirken. Wo diese Studien mit berühmten Personen verbunden sind, wurden sie oft bereits gut erforscht: Da sie am Anfang der sog. "Frühen Neuzeit" stehen, ist ihre Kenntnis natürlich von historischem und wissenschaftlichem, aber auch kulturgeschichtlichem Interesse. Bei den Zeichnungen, die im Zentrum des Forschungsprojekts zum sog. "Codex Destailleur D" stehen, handelt es sich dagegen um Blätter, die von unbekannt gebliebenen, französischen Handwerkern in Rom um ca. 1545 angefertigt wurden: Sie zeichnen sich gegenüber früheren und späteren Vermessungen antiker und vorbildlicher zeitgenössischer Bauten durch eine hohe Genauigkeit sowie Vollständigkeit aus: z.B. haben die Zeichner dieses Codex auch technische Einrichtungen und viele Details der studierten Bauten genauestens vermessen. Dies allein wäre Grund genug, die Zeichnungen für die Architekturgeschichte und die Archäologie zu erschliessen – zeigen sie die Bauten doch in Zuständen, die kurze Zeit später bereits zerstört wurden. Da aber diese Handwerker kaum selbst die geistigen Urheber des Projekts zur Vermessung aller antiken Grossbauten und Monumente gewesen sein dürften, ist ausserdem von Interesse, wer ihre Auftraggeber waren. Die Arbeitshypothese lautet, dass die gleichzeitige "Accademia della Virtù" oder auch "Accademia Vitruviana" hinter den Vermessungen stand, da diese einem Teil ihres umfangreichen Forschungsprogramms entsprechen.