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Franzose, Unbekannter (K. d. A. D.)

Architekt, dessen Aufenthalt in Rom in die Sechziger-Jahre des XVI. Jahrh. anzusetzen ist. auf den ersten Blick schienen seine Blätter ebenfalls von Hand jenes anonymen französischen Architekten (um 1550) zu stammen, dessen Zeichnungen im Jahre 1880 aus der Sammlung des Architekten und Kunstgelehrten Hypolite Destailleur in Paris für die Bibliothek des k. Kunstgewerbe-Museum in Berlin angekauft worden sind. [Fussnote 1: P. Jessen, Aus der Anomiy, Berlin, 1890, S. 117ff.; Lanciani, Ruins and Excavations, p. 542; über S. A. Iwanoff vgl. S. 49, Anmerkg. 1 = Le terme dei Romani disegnate da A. Palladio e ripubblicate da O. B. Scamozzi (Londra 1732, Vicenza 1785); G. A. Blouet, Restauration des thermes d’ Antonin Caracalla à Rome (Paris 1823); Canina a.a.O. IV, tav. 207–214; Sergius Andrejewitsch Iwanoff, Architektonische Studien. Herausgegeben vom k. deutschen archäolog. Inst. Heft III. Aus den Thermen des Caracalla (mit Erläuterungen von Ch. Hülsen, Berlin 1898).] Im Einverständnis mit Heinrich von Geymüller und Christian Hülsen sei es mir nun gestattet, für diesen unbekannten Franzosen der Berliner Sammlung die Bezeichnung „Anonymus Destailleur“ einzuführen, in der Zuversicht, daß der Vorschlag, der die Erinnerung an jenen trefflichen Kunstkenner stets wachhalten soll, allgemeine Billigung finden wird.

Nach näherer Untersuchung und der eingehenden Vergleichung einzelner Wiener Blätter mit obiger Sammlung (CDD) in Berlin im September 1902 kam der Verfasser zu der Überzeugung, daß erstere nur Wiederholungen der Destailleur’schen Blätter sind. Die umständliche Beweisführung hiefür würde den Rahmen dieses Künstler-Verzeichnisses bedeutend überschreiten, es sei daher nur zur näheren Charakteristik beider Künstler die Bemerkung des einen zu einem Grabmale an der Via Latina und die Wiedergabe derselben durch den anderen erbracht:

Die einzelnen Ausdrücke, die Verquickungen französischer und italienischer Sprachelemente1, sowie der Charakter der Schrift lassen folgende Schlüsse zu: der Wiener Kopist ist ebenso wie der Anonymus Destailleur ein Südfranzose (Provencale?), kam jedoch erst um 5 bis 10 Jahre später nach Rom, um daselbst als Gehülfe seines Landsmannes aus irgend einem Grunde dessen Aufnahmen römischer Baudenkmäler zu wiederholen; für letztere Behauptung ist besonders das Blatt n. 172 maßgebend, auf welchem neben den übrigen Bemerkungen des Wiener Kopisten vom Anonymus Destailleur noch die Worte: „del piano di fora infino al cosolator de la cornice de sopra p 70 – o 7“ hinzugefügt sind. Ob ersterer dann später einzelne Bauten, wie die Basilica Neptuni, das Septizonium etc. für welche die entsprechenden Blätter in Berlin nicht vorliegen, allein aufgenommen hat oder nicht, ist wohl nicht mehr mit Sicherheit zu entscheiden. Der Verfasser neigt jedoch eher zu der Ansicht, daß die betreffenden Originale verloren gegangen sind. Der Wiender Kopist des Anonymus Destailleur ist im Verzeichnisse stets mit K. d. A. D. gekennzeichnet: n. 25–27, 42–44, 55–60, 79, 83, 89, 98, [99], 138, 139, 142, 143, 147, 148 [149], 152, 157, 158, 172, 173, 174, 179, 180, 181, 202, 205, 212, 215, [217 ?], 284, 285, 286, 287