Jessen Beiheft

Jessen, Peter: Handschriftliches Heft zum Codex Destailleur D. – Berlin: Kunstbibliothek, ca. 1898–1903

In seiner dem Codex Destailleur D noch heute (im Kasten HDZ 4151) beiliegenden Auflistung der Blätter — hier und im Folgenden daher als „Beiheft“ bezeichnet, vgl. [Jessen Beiheft] — geht Jessen wiederum nur oberflächlich auf den Inhalt der einzelnen Blätter ein; einige Irrtümer wurden von späteren Schreibern, darunter Ekhart Berckenhagen, korrigiert, jedoch auch neue hinzugefügt. Da die auf „Seite 1“ dieses Heftes zu findenden Literaturangaben ursprünglich nur zwei Titel umfassen [Jessen 1890] und [Iwanoff / Hülsen 1898], welche dann offensichtlich später durch einen Hinweis auf Eggers Katalog der Albertina-Zeichnungen [Egger 1903] ergänzt wurden, scheint das Verzeichnis selbst zwischen 1898 und 1903 angelegt worden zu sein. Gegen diese Datierung könnte zwar die Aufschrift des Aufklebers auf dem Umschlag sprechen, die den Anonymus explizit als (scheinbar einzigen) Autor bezeichnet:

 

Kasten 3840 [mit Bleistift]

Hdz. 4151

Zeichnungen römischer Ruinen

des sogenannten „Anonymus Destailleur“

Frankreich um 1550

doch ist ebenso gut denkbar, dass dieser Zettel erst nach 1903 auf das Heft geklebt wurde.

Damit enthält der Titel bezüglich Inhalt, Autor und Ortsangabe sowie — vermutlicher — Datierung gleich mehrere Fehler bzw. Ungenauigkeiten, da es sich

  • a) nicht nur um Zeichnungen ausschließlich römischer Ruinen handelt,
  • b) neben dem Hauptzeichner mehrere andere vertreten sind und
  • c) die französischen Notizen auf den Zeichnungen weder auf eine Entstehung in Frankreich noch ausschliesslich auf einen Franzosen als Autor schliessen lassen müssen.

In jedem Falle dürfte das Verzeichnis jedoch lange nach der mit der Demontage der ursprünglichen drei Bände einhergehenden Zerstörung des Überlieferungszusammenhangs und der Neuordnung der Blätter angelegt worden sein, die nach Jessen selbst schon vor 1890 erfolgte. (Vgl. [Jessen 1890, S. 114]) Hieraus mögen sich die Fehler bzw. Unstimmigkeiten erklären, die sich in der Liste finden und die unten (vgl. den Abschnitt zur "Ursprüngliche Anordnung") zu korrigieren versucht wurde.

Das Heft enthält zwei handschriftliche Listen, deren erste die Blätter in der Reihenfolge ihrer modernen Zählung auflistet und um die Angabe der von einem späteren Besitzer vorgenommenen Numerierung, der früheren Inventar-Nummer der Kunstbibliothek, der Zahl der Blätter (besser wohl: Seiten) im ursprünglichen Band sowie die — teilweise fehlerhafte — Identifikation der Bauwerke ergänzt. Die zweite Liste (ab „Seite 6“) dagegen gibt anhand der alten Numerierungen die ursprüngliche Reihenfolge Blätter in den drei Bänden an, ergänzt um die modernen Blattnummern. Auch hier treten Unstimmigkeiten und Fehler auf.

Ebenfalls auf S. 1 findet sich neben der Überschrift die später mit Bleistift ergänzte Datierung "(c. 1547)", die schon Jessen [Jessen 1890,  S. 115] aufgrund der in dem Codex wiedergegebenen zeitgenössischen Bauten vorgeschlagen hatte. Die Abweichung gegenüber der Angabe auf dem Umschlag ("Frankreich um 1550") spricht für die oben geäußerte Annahme, dass der Umschlagaufkleber später ergänzt wurde.