Architekt und/versus Baumeister – Die Frage nach dem Métier
Akten des siebten internationalen Barocksommerkurses 2006
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Die Sicht der Moderne und mehr noch die aktuelle Architekturkritik prägen heutzutage das Bild des Architekten: Er wird vor allem als Künstler und Schöpfer gesehen, mitunter sogar als ‘Star’. Autonomie ist die längst die Maxime. «Dienst an der Gesellschaft» ist nicht mehr Bestandteil der Debatte. Durch das gesamte 19. Jahrhundert bis hin zu Gropius’ Bauhausmanifest (1919) hallte der Ruf nach dem Architekten als «Leitfigur». Schon vor dieser Zeit propagierte der Geniekult nicht nur die Autonomie, sondern auch die Unantastbarkeit des Künstlers. Sowohl der Kulturraum nördlich der Alpen als auch die Zeit um 1700 boten sich an, um die Veränderung des Status und der Bedeutung des Architekten einer Betrachtung zu unterziehen. Der Band dokumentiert die Ergebnisse des Siebten Internationalen Barocksommerkurses der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin in Einsiedeln. Er befasst sich mit den Kompetenzen des Architekten um 1700 und seiner unterschiedlichen Bedeutung in künstlerischer wie auch in sozialer Sicht. Dies interessiert ganz besonders in einer Zeit, die in der kunsthistorischen Betrachtung mit der Ablösung der italienischen Meister durch einheimische Baukünstler, also mit Wechsel und Veränderung, verbunden wird. |
Inhalt
- Werner Oechslin: Das Berufsbild des Architekten – eine Erinnerung als Einführung
I
- Christian Hecht: Die Instructionum fabricae et suppellectilis ecclesiasticae libri duo – Karl Borromäus und die Architekten
- Matteo Burioni: Biographie als Theorie. Der Wagemut des Architekten bei Vasari, Bellori und Félibien
- Antonio Becchi: Juxta textum Vitruvii et mentem Newtonii. Das neue Wissen und das "Räthsel der Architektur"
- Reinhard Gruhl: Dichterberuf und Gelegenheitsdichtung – Zur Geschichte des Dichtens bei Gelegenheit
II
- Peter Stephan: Gianlorenzo Bernini – der "Talleyrand der Architektur"? Die gentilizische Kodierung Roms und die Kryptokodierung von S. Andrea al Quirinale oder die Kunst, mehreren Herren zu dienen
- Ralph-Miklas Dobler: Italienische Wanderkünstler als Familienunternehmer und Dienstleister - die Familie Carlone aus Scaria
- Mojmir Horyna: Die Verhältnisse zwischen den Architekten und Zunftbaumeistern in Prag um 1700
- Kristoffer Neville: Johann Bernhard Fischer von Erlach and the Humanistic Discourse Among Architects Around 1700
III
- Piet Lombaerde: Jan Peter von Baurscheit d. Ä. und d.J.: zwei Generationen von Baumeistern in Antwerpen (Belgien) 'um 1700'
- Léon E. Lock: Der Bildhauer-Architekt in Antwerpen um 1700
IV
- Guido Hinterkeuser: Schlüter, Sturm und andere. Der Architekt als Idol, Lehrer, Vorgesetzter und Konkurrent in Christian Friedrich Gottlieb von Knesebecks Manuskript Kurtze Remarquen der Oeconomischen alss auch Prächtigen Baukunst (1703–1716)
- Matthias Franke: Leonhard Christoph Sturm. Zwischen pietistischer Überzeugung und Repräsentation am Berliner Hof
- Simon Paulus: Hermann Korb (1656–1735). Der Baumeister Herzog Anton Ulrichs von Braunschweig-Lüneburg
V
- Axel Christoph Gampp: Barocker Überbau. Die Neugestaltung mittelalterlicher Klosterkirchen in der Schweiz durch Vorarlberger Baumeister im 17. und 18. Jahrhundert
- Robert Stalla: Cosmas Damian und Egid Quirin Asam: Der Maler und Bildhauer als Architekt
- Martin Pozsgai: Der Architekt Donato Giuseppe Frisoni und seine Kompetenz für die Innenausstattung
- Jürg Ganz: Bauen im 18. Jahrhundert. Joseph Wech, Prokurator und Bauverantwortlicher der Kartause Ittingen
- Sandra Maria Rust: Der steirische Architekt Johann Georg Stengg (1689–1753)
VI
- Isabel Haupt: Fürsten, Hofkünstler und Baubeamte. Architekten am sächsischen Oberbauamt im 18. Jahrhundert
- Andrea Maglio: Vaccaro e Sanfelice: il ruolo dell'architetto durante la dominazione austriaca a Napoli
- Thomas Strobel: Links between Germany an England in Neoclassical Architecture
VII
- Werner Oechslin: "Schaffensfrohe Meister" und "rührige Hände". Zu den modernen Wurzeln einiger unserer barocken Vorstellungen
- Peter Heinrich Jahn: "Sein Schaffen ist atheoretisch, triebhaft, naiv. In dieser volkstümlichen Kraft ... liegt seine Bedeutung". Dagobert Freys Blick auf Johann Lucas von Hildebrandt als Ausgangpunkt einer lang anhaltenden Fehleinschätzung
- Harald Tesan: Normative Ästhetik und Volkskultur. Die Watt Towers (1921-1954) des Simon Rodia in Los Angeles

