2004: Barock und Religion

Acta  christus

5. Internationaler Barocksommerkurs

Sonntag, 11. Juli 2004 bis Donnerstag, 15. Juli 2004


Zur Einführung

Von Werner Oechslin

Di tutte le perfettioni date alla natura humana altra non è, che sia maggiore, nè più propria all'huomo della Religione" (Cartari, 1615)

… utiles sunt imagines … ad caritatem erga Deum, & Sanctos fovendam & augendam" (Bellarmino, 1619)

Die Ideen einer auf Anschauung des Unendlichen im Endlichen gerichteten Religion müssen vorzugsweise im Seyn ausgedrückt seyn" (Schelling, 1813)

Wer Gott in seinem Geiste nicht erreichen kann, der suche ihn in Bildern, er irrt nicht" (Solger, 1802)

Das religiöse Gefühl, als psychologisches Factum betrachtet, schließt so mancherlei Gefühle in sich, und nimmt so mancherlei Vorstellungsarten in sich auf, als überhaupt verschiedene Ansichten des ursprünglichen Verhältnisses der menschlichen Natur zum Wesen der Dinge möglich sind" (Bouterwek, 1815)

Liebe Freunde und Kollegen, 

Der Barocksommerkurs (11. – 15. Juli) gilt in diesem Jahr dem Problemkreis BAROCK – RELIGION. Einmal mehr ist das Thema weitgefasst und soll auch – wie in den Veranstaltungen zuvor – über das hinausgesehen werden, was zeitlich mit 'Barock' umgrenzt wird. Man kann genauso argumentieren, dass von den religiösen Themen und der heilsgeschichtlichen Zielsetzung aus betrachtet Barock als aus der mittelalterlichen Kontinuität herausgeboren darzustellen sei; und es ist umgekehrt natürlich so, dass trotz wiederholter Laisierungen Religion und der Gesichtspunkt Religion bis in die Moderne hinein eine grosse Rolle spielen.

Innerhalb 'barocker' Themen ist häufig dem 'katholischen Barock' eine Sonderrolle zugewiesen worden. Das beginnt mit frühen Gleichsetzungen von Jesuitenstil und Barock und endet dort, wo bis heute die 'künstlerisch nicht hochstehende' barocke Deckenmalerei zwischen Bayern und Böhmen den ikonologischen Betrachtungen oder modern-ästhetischen Kategorien von 'Gesamtkunstwerk' zugewiesen wird. Dies alles befriedigt nicht. Und es wäre auch unzureichend, das Thema nur auf jene (katholischen) Gebiete einzuengen, in denen der Zusammenhang von Kunst und Religion scheinbar so evident ist.

Unser Barocksommerkurs soll deshalb weit genug gefasst werden. Es sollen Fragen von Religion, Kult, Symbol grundsätzlich aufgegriffen werden. Und es interessieren andererseits ganz konkrete Beiträge, die etwa der Frage nachgehen, wie heilsgeschichtliche Versprechungen künstlerisch überzeugend mitgeteilt werden. Es interessiert der Standpunkt von Religion und Kirche genauso wie der des – seine Zuständigkeit – verteidigenden Künstlers. Es kann dies durch übergreifende, vergleichende Studien oder aber durch präzis angelegte Fallbeispiele erörtert werden. Es gibt keinen Grund, die Frage dort abklären zu wollen, wo die Bedeutung von Religion manifest oder dominant ist. Die Dinge schwanken zwischen dem "culte intérieur" und dem "culte extérieur". Und es geht wesentlich darum anzuerkennen, dass zwischen Bellarmins (offiziellem) "utiles imagines sunt" im Sinn bewusster Unterordnung künstlerischer Mitteilung unter die theologischen Zielsetzungen und der Allerweltsformel Solgers, man solle die Götter in seine Sphäre herabziehen, um ihrer habbar zu werden, nach aussen besehen nur ein kleiner Unterschied ist. Wie immer eignen sich auch hier die Nahtstellen in besonderer Weise für eine Analyse. "Quantum homini licet" ist ein gutes Motto für entsprechende Fragestellungen.

Wie immer bitten wir um Vorschläge, die Sie frei wählen und nach eigenem Ermessen unterbreiten. Nur soviel sei als Hypothese oder eben gar als Wunsch vorgegeben, was sich als Ablauf etwa so gestalten könnte:

1. Tag:

  • Grundsätzliches zum Verhältnis Kunst/Kultur/Religion.
  • Das 'Religiöse' im kultur- und kunstgeschichtlichen Überblick (z.B. Kontinuität durch die religiöse Rahmensetzung; Abgrenzungen reformierter, lutheranischer, katholischer Kulturkreise; das Beispiel Gallikanismus u.a.m.).

2. Tag:

  • Künstler vs. Auftraggeber unter dem Aspekt der Einlösung religiöser, heilsgeschichtlicher Zielsetzungen.
  • Fallstudie Einsiedeln mit Besichtigungen.

3. Tag:

  • Vertiefende Einzelanalysen.

4. Tag:

  • Ausflug: beispielsweise Fahrt auf dem Vierwaldstättersee, Stätten der Pilgerfahrt zu den Heiligtümern der schweizerischen Eidgenossenschaft (Tellskapelle, Rütli): unter dem Aspekt des in Mythologie und Naturlandschaft übertragenen Religiösen.

5. Tag:

  • Religion / Barock / Moderne 
  • Synthesen, Schlussdiskussion, Thesen. 
 

Die Literatur, an der wir uns orientieren könnten, ist endlos. Man findet beispielsweise in der Kunstchronik 12/2002 den Bericht zur Münsteraner Tagung "Kultbilder im konfessionalen Zeitalter" (sic!) mit nützlichen Hinweisen (von Gabriele Wimböck). Und diesem Hinweis liesse sich vieles hinzufügen. 

Wir freuen uns auf Ihre Antwort und Teilnahme, auf Hinweise auf Interessierte und auf Hinweise zur Sache selbst. Unser Ziel wird es wiederum sein, in den wenigen Einsiedlertagen in einem offenen Klima von Austausch und Diskussion und guter Athmosphäre uns gegenseitig anzuregen und zu bereichern.

Wir müssen in diesem Jahr mit einem deutlich gekürzten Veranstaltungsbudget auskommen und sehen uns deshalb gezwungen, die Teilnehmerzahl auf etwa 25 bis maximal 30 Referenten bzw. Teilnehmer zu beschränken. Für diese Massnahme bitten wir um Ihr Verständnis.

Die Stiftung übernimmt wie immer die Spesen für die Unterbringung und lädt die Teilnehmer des Sommerkurses auf die Exkursion sowie auf die vorgesehenen gemeinsamen Anlässe ein. Wir müssen Sie jedoch bitten, die Reisekosten selbst zu tragen. Wir vertrauen darauf, dass diese notwendige Massnahme das bisherige Interesse nicht einschränken möge und stehen Ihnen gerne für organisatorische Fragen zu Ihrer Reiseplanung zur Verfügung.