Ausschreibung

18. Internationaler Barocksommerkurs der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin

(English version)

„Ornamentum“: Raumausstattung, Bildprogramme

    

BSK-2017

Das Kolloquium findet von Sonntag 25. bis Donnerstag 29. Juni 2017 statt.

Wie üblich soll der Diskurs fächerübergreifend angelegt sein. Wir erhoffen uns eine rege Teilnahme von Wissenschaftlern und Promovierenden aus den Disziplinen Architektur- und Kunstgeschichte, Geschichte, Theologie, Theaterwissenschaften etc.


Da dem Gespräch, gemeinsamen Diskussionen, grosses Gewicht zugemessen wird, sollten die Beiträge nicht länger als 20 Minuten dauern. Die Referate können in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache vorgetragen werden. Passive Deutschkenntnisse werden vorausgesetzt.

Bedingungen: Die Stiftung übernimmt die Kosten für die Übernachtungen, die Exkursion und die gemeinsamen Abendessen. Reisespesen können leider nicht erstattet werden.

Wir bitten um Bewerbungen mit einem kurzen Exposé und CV bis spätestens 04. Dezember 2016 per e-mail an:

Konzeption / Organisation: Anja Buschow Oechslin, Axel Christoph Gampp, Stefan Kummer, Werner Oechslin, Martin Pozsgai, Tristan Weddigen.

Einführung 

Leonbattista Alberti führt zu Beginn seines sechsten, dem Ornament gewidmeten Buch von De Re Aedificatoria aus, dass von den drei Erfordernissen an das Bauen, neben dem Zweck und der Solidität der Frage der Schönheit das grösste Gewicht zukomme: „restat tertia omnium dignissima et perquam valde necessaria“. Weit davon entfernt, von dekorativer Zutat oder Schmuck zu reden, erachtet er diese Frage als genauso notwendig wie jene nach dem Nutzen und der Konstruktion. Ja, er lässt keinen Zweifel bestehen, dass erst auf diese Weise ein Gebäude zu seiner Vollendung findet. Im „ornamentum“ entscheidet es sich!

Zweierlei wird dabei vorausgeschickt. Das „ornamentum“ ist aufs engste mit der „pulchritudo“, der Schönheit verbunden. Es ist im ‚alten’ Sinn ein ästhetisches Problem; über die Sinneswahrnehmung wird man begreifen, was das profane oder sakrale, öffentliche oder private Gebäude als in jedem einzelnen Falle angemessen und erfahrbar ‚schön’ macht. Alberti hält es in Anbetracht der uns täglich auf vielfältigste Weise mit Schönheiten bezaubernden Natur für überflüssig, Schönheit genauer definieren zu wollen. Es besteht kein Zweifel, man soll nach Schönheit trachten.

Desweitern entziehe sich die Vielfalt ‚möglicher Schönheiten’ einer näheren Erklärung durch Worte: „fortassis animo apertius intelligemus“. Man muss es anderweitig verstehen und begreifen wollen. Nur gerade aus Verlegenheit lässt sich Alberti zu einer knappen Definition verleiten. Diese enthält alles, was der Architektur ohnehin grundsätzlich aufgetragen und zugegeben ist: „certa cum ratione concinnitas universarum partium in eo“! Es soll alles, nachvollziehbar, erklärbar zu einem Ganzen so zusammengefügt werden, dass sich nichts wegnehmen oder hinzufügen oder ohne Nachteil verändern liesse.

In der Tat passt diese letzte Bestimmung eines ‚richtigen’ Ornaments in keiner Weise zu jener (modernen) Auffassung, die in ihm nur Auf- und Hinzugesetztes vermutet. Im Ornament erfüllt sich vielmehr das Ganze eines Bauwerks oder eines Raumes und bringt es – zum intendierten Zweck – zu Ende.

Raumausstattung und Bildprogramme im Profan-, aber auch im Sakralbau sind ein wesentlicher Schwerpunkt. Uns interessieren zudem Beiträge über: 

  • Gestaltungsvoraussetzungen
  • Decorum
  • Theorie
  • Ikonographische Aussagen
  • Kompetenzen
  • Künstlertransfer
  • Materialien: vom Spiegelglas über Textilien bis hin zum Stuck
  • Farbigkeit
  • Raumabfolgen
  • Einrichtungsobjekte
  • Mobilieninventare als Quellen (u. a. zur Situierung im Raum)
  • Nutzungsaspekte

All dies soll unter dem Aspekt der Vollendung eines Bauunternehmens als sinnstiftendem („cum ratione!“) Ganzen einer genaueren Prüfung unterzogen werden.