Der "neue Mensch" – der weise Mensch

Kolloquium in Zusammenarbeit mit dem "Freundeskreis Paul Goesch e.V", Köln

Freitag, 11. Januar 2008 bis Sonntag, 13. Januar 2008 (Das Programm steht auch als PDF zum Download bereit.)

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Einführung

von Dr. Stefanie Poley, "Freundeskreis Paul Goesch e.V"

Das Kolloquium befasst sich mit der Idee vom „neuen Menschen“ als einer europäischen Leitidee. Kulturhistorische Fragestellungen stehen im Zentrum: So ist nicht die gentechnische Verbesserung des Lebewesens Mensch das Thema, sondern die ‚alte’ philosophische, religiöse, psychologische, pädagogische, soziale Überzeugung, der Mensch könne in einen Wandlungsprozess eintreten, der ihn zum Guten führe. Ein Weg, den zu gehen es bestimmte Hilfsmittel gebe und an dessen Ende der Mensch Weisheit erlangt haben werde. Auch in Kunstwerken ist der Begriff vom „neuen Menschen“, in der Regel mit dem Anspruch der Vorbildlichkeit und dem Ziel der Belehrung, zum Ausdruck gebracht. Bauwerke können entworfen sein, um den Wandlungsprozess zu fördern.

Was die christliche Kultur angeht, sei Apostel Paulus zitiert. Der ermuntert die Mitglieder der Gemeinde in Ephesos ganz kräftig zu einer neuen, ethisch korrekten Lebensführung: „So leget nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste im Irrtum sich verderbt. Erneuert euch aber im Geiste eures Gemüts und ziehet den neuen Menschen an.“ Rechtschaffenheit, Wahrhaftigkeit und innerer Wandel werden von Paulus genannt, als Zielvorstellung leuchten Kenntnis der Verhältnisse und Weisheit auf.

Eine Frau des 20. Jahrhunderts, Cläre Jung, formuliert ihr Bekenntnis so: „So sehe ich die Revolutionierung der Welt, die Schaffung des neuen Menschen: aus der analytischen Bewusstmachung und Erkenntnis der Zwang zur Entwicklung. Freimachen und unbedingtes Einsetzen aller Kräfte zur Verantwortlichkeit.“

Die Idee vom „neuen Menschen“ war und ist sicher eine Leitidee. Im Rückblick wird deutlich, dass ihr Gebrauch ein Missbrauch sein kann mit katastrophalen gesellschaftlichen Folgen. Dies gilt es zu berücksichtigen. Das Kolloquium im Januar wird die Funktion eines Brainstormings haben, das weitere Fragen vorzubereiten vermag: ob von einem einheitlich zugrundeliegenden Phänomen die Rede sein kann und ob etwa in jeder Kultur die Vorstellung von einem guten, weisen, ‚ganzen’ Menschen zuhause ist. Anschließende Kolloquien könnten zu einem die Kulturen der Erde verbindenden Gespräch beitragen.

Unterstützt von: LGT - Die Bank des Fürstenhauses von Liechtenstein

Referentinnen und Referenten

  • Prof. Dr. Werner Felber (Psychiater; Universitätsklinikum »Carl Gustav Carus«, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Dresden)
  • Hardy Happle (Architekt, Architekturhistoriker; ETH Zürich, gta [Institut für Geschichte und Theorie der Architektur])
  • Prof. em. Dr. Joachim Heusinger von Waldegg  (Kunsthistoriker, Karlsruhe)
  • Dr. Siegmar Holsten (Kunsthistoriker; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe)
  • Prof. Dr. Gottfried Küenzlen (Evangelischer Theologe; Universität der Bundeswehr München, Fakultät für Sozialwissenschaften, Institut für Theologie und Gesellschaft, Neubiberg)
  • Julia Lohmann (Malerin, Düsseldorf und Berlin)
  • Dr. Friedemann Malsch (Kunsthistoriker, Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz)
  • Maria Mocanu (Architektin, Architekturbüro bfm, Köln; Fachhochschule Köln)
  • Hermann Müller (Autor, Archivar, Nachlassverwalter, Freudenstein in Baden-Württemberg)
  • Johannes Nilo (Slavist; Forschungsstelle Kulturimpuls, Bibliothek am Goetheanum, Dornach bei Basel)
  • Prof. Dr. Werner Oechslin (Architekturhistoriker, Kunsthistoriker; ETH Zürich, gta [Institut für Geschichte und Theorie der Architektur]) 
  • Dr. Stefanie Poley (Kunsthistorikerin; Freundeskreis Paul Goesch e.V., Köln) 
  • Prof. Dr. Alfred Springer (Psychoanalytiker, Suchtforscher; Ludwig-Boltzmann-Institut am Anton-Proksch-Institut, Wien)
  • Dr. Johannes Stahl (Kunsthistoriker; Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design, Halle; Halle und Köln)
  • Priv. Doz. Dr. Helmut Zander (Katholischer Theologe und Historiker, Humboldt Universität Berlin, Institut für Wissenschaftsgeschichte. Berlin und Bonn)