Die Praxis informiert die Theorie

Arbeitsgespräch / Samstag, 29. November, bis Montag, 01. Dezember 2008

Veranstaltet von der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, Einsiedeln, und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin

1. Das Arbeitsmodell: 

Das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und die Stiftung Bibliothek Werner Oechslin in Einsiedeln sind übereingekommen, eine Zusammenarbeit zu beginnen, die insbesondere dem Ziel interdisziplinärer Arbeit dienen soll. Es entspricht gemeinsamer Einsicht und Überzeugung, dass ein solches, anforderungsreiches Ziel am besten durch das direkte Gespräch, die Begegnung und den intensiven Austausch zwischen den beteiligten Forschern und Interessierten angegangen werden kann, weshalb wir die untenstehende 'Versuchsanordnung' gewählt haben.
Die Beiträge, kurze Fallstudien, Thesen, Fragen, spontane Einwürfe sollen diesem gemeinsamen Ziel dienen, dessen Resultat sich in Form einer präzisierten Fragestellung zum Thema – möglicherweise in nachfolgender publizierter Form – niederschlagen soll.

2. Das Thema:

Ein sich dringend anbietendes Thema ist das oft arg strapazierte Verhältnis von Theorie und Praxis. Es soll nun ganz bewusst – jenseits einer euklidisch-geometrischen Vorstellung von Deduktion und Normativität – nach der Empirie und der Praxis als Theorie-bildenden und -konstituierenden Bedingungen gefragt werden. Unverkennbar ist bei dieser Fragestellung, dass damit der Vergleich einer natur- und geisteswissenschaftlichen Interessenslage (gegen ihre voreiligen Festlegungen) provoziert werden soll. Es besteht die Ansicht, dass nur auf diesem Weg – der Vergleichung der Vorgehensweisen – ein wirklich interdisziplinärer Diskurs in Gang gebracht werden kann. Ganz nach Semperischer – der Naturwissenschaft entlehnten – Überzeugung, die 'Gesetzmässigkeit im Einzelnen' aufsuchen zu wollen, scheinen uns 'Fallstudien' besonders geeignet, diesen umfassenden Problemzusammenhang anzugehen.

Titel

Samstag, 29. November 2008

  • 15.30 – 16.30: Einführung und Darlegung des Themas (Werner Oechslin und Jürgen Renn)
  • 17.00 – 18.30: Statements (Johannes Cramer, Peter Damerow, Horst Nowacki, Ulrich Suter) und Diskussion
 

Sonntag, 30. November 2008

  • 09.30 – 12.30: Präsentation der Fallstudien und Diskussion
    • Wilhelm Osthues (Berlin): Der Eckkonflikt in der antiken dorischen Architektur: Lösungen der Praxis, Verdikte der Theorie
    • Tobias Büchi (Zürich): Buonaiuto Lorini: Ingenieur zwischen Physik, Mathematik und Handwerk
    • Antonio Becchi (Berlin): Wie in einem Spiegel. Gleichgewichtspiele zwischen Theorie und Erfahrung(en)
    • Matteo Burioni (München): “il che è un seminario di liti, & d’inimicitie”. Theorie und Praxis der Vermessung im Werk des Befestigungsingenieurs Muzio Oddi
  • 14.30 – 18.30: Präsentation der Fallstudien und Diskussion
    • Jochen Büttner (Berlin): Big wheel keep on turning
    • Olga Zoller (Brühl): Konstruktive Einsichten aus der Praxis in die Wissenschaft der Festigkeit von Bögen und Gewölben. Das Beispiel von Giovanni Battista Borra
    • Andreas Buss (Zürich): Jean Prouvés Tankstellen-Pavillons. Eine Demontage
  • 18.30 – 19.30: Begegnung mit der Bibliothek
  • 20.00: Gemeinsames Abendessen
 

Montag, 1. Dezember 2008 

  • 09.30 – 10.00: Jan Blanc (Lausanne): Praxis deformiert Theorie. Joshua Reynolds und das Problem Rubens
  • 10.00 – 12.00:Offene Diskussion und Einsichten/Thesen
  • 12.00 – 13.00: Schlussfolgerung und Aussichten. 
  • Urs Schoepflin, Forschungs- und Digitalisierungsprojekte des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte im Bereich Architektur/Architekturtheorie

Gasthörer sind herzlich willkommen.