Gottfried Semper

Internationales Kolloquium – Donnerstag, 13. Juni 2002 bis Samstag, 15. Juni 2002


Titel

Gottfried Semper ist eine Jahrhundertfigur. Dies war er in der zeitgenössischen Wahrnehmung, und als solche erscheint er aus heutiger Sicht. Sein architektonisches Werk umfasst die gesamte Spannweite der damaligen Bauaufgaben, wenn auch Sempers Hauptinteresse stets dem Monumentalbau galt. Herausragende Bedeutung kommt der Theaterarchitektur und dem Städtebau zu; mit seinen Planungen für Dresden, Rio de Janeiro, München und Wien schuf Semper exemplarische Lösungen für zentrale Bauaufgaben des 19. Jahrhunderts. Das praktische Werk war von Anfang an von theoretischer Reflexion begleitet. Sempers weit über Spezialfragen der Architektur hinausgehende Arbeiten weisen ihm eine zentrale Rolle in der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts zu. Besonders die Theoriebildung und die damit eng verknüpfte Lehrtätigkeit in Dresden, London und Zürich begründeten Sempers Ausstrahlung und Wirkung, die bis in den gegenwärtigen architektonischen Diskurs hineinreicht. Es lässt sich darüber hinaus eine fächerübergreifende Aktualität konstatieren, die in grundsätzlichen Themen von Sempers Arbeit begründet liegt: den immer wieder ausgeloteten Möglichkeiten eines Zusammengehens von Theorie und Praxis und dem beständigen Bemühen um eine Verbindung von Natur- und Geisteswissenschaften.

Der bevorstehende 200. Geburtstag Sempers motiviert zu einer breit angelegten Forschungsleistung am Institut gta, deren finanzielle Basis durch einen substantiellen Beitrag der ETH Zürich gelegt wurde. In Zusammenarbeit mit dem Architekturmuseum der TU München wird seit 2001 erstmals ein kritischer Katalog des architektonischen Gesamtwerks erarbeitet. Im Rahmen eines Dissertationsprojekts wird Sempers Hauptgebäude für das Zürcher Polytechnikum, der heutigen ETH Zürich, baumonographisch untersucht. Resultate dieser Anstrengungen werden im Semperjahr 2003 im Rahmen einer grossen Ausstellung im Architekturmuseum München und im Museum für Gestaltung in Zürich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ebenfalls 2001 neu aufgenommen, aber langfristig angelegt sind Forschungen zu Sempers Theorie, die insbesondere auf eine kritische Rekonstruktion der Entstehungs- und Editionsgeschichte von Sempers theoretischem Hauptwerk "Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten oder praktische Ästhetik" (1860 – 1863) abzielen. Zwei aufeinander aufbauende international besetzte Semper-Symposien in Bad Muskau (26. – 27. Oktober 2001) sowie in Zürich und Einsiedeln (13. – 15. Juni 2002) gaben Gelegenheit, eine aktuelle, breit fundierte Bilanz der internationalen Semperforschung zu ziehen und gemeinsam Perspektiven zu formulieren. Die Ergebnisse werden in das umfangreiche Katalogbuch einfliessen, das im April 2003 zur Semperausstellung erscheint. 

Veranstaltet von der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin und dem Institut für Geschichte und Theorie der Architektur. 

Im Zusammenarbeit mit dem Architekturmuseum der TU München.