WOHLFAHRT UND WOHLBEFINDEN

Für Informationen zu den Veranstaltungen bitte E-Mail anja.buschow@ bibliothek-oechslin.ch

Ort: Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, Einsiedeln Bauen im Dienste der Wohlfahrt

Programm-Flyer zum Herunterladen (Web / Druck)

Architektur und Wohlfahrt

«Die Baukunst, oder die Wissenschaft, Gebäude und andere Bauten, dem Zwecke und Bedürfnisse gemäss, dauerhaft, bequem und geschmackvoll auszuführen, steht, mit der Civilisation gleichmässig fortschreitend, in naher Verbindung mit der Sitte und Kultur, dem National- und Privat-Wohlstande, den Bedürfnissen und der Staatsverfassung der Völker.» (Ludwig von Rönne, Heinrich Simon, Die Verfassung und Verwaltung des preussischen Staates. Teil 6, Bd. 4. Breslau 1848, S. 1)

An der Pracht der Gebäude, an geraden und sauberen Strassen mit schönen Fassaden, an geordneten Stadtgrundrissen und einer «guten Policey» misst sich seit jeher der Wohlstand einer Stadt. Und Bauen als Motor der Wirtschaftsentwicklung war schon immer von Bedeutung. Dabei spielte aber auch das gute Haushalten, die Ökonomie, eine wichtige Rolle, die Bauherren und Architekten nach den möglichst kostengünstigsten und doch besten Lösungen suchen liess.

Programmübersicht

I. «Die Stadt ein grosses Haus und das Haus eine kleine Stadt»: Architektur und Ökonomie

Samstag, 15. Oktober 2016, 11 Uhr

II. Die Landbaukunst im Dienste der Hebung der allgemeinen Wohlfahrt

Samstag, 22. Oktober 2016, 11 Uhr

III. Die Axenstrasse im 19. Jahrhundert – Ingenieursleistung und Wohlstandsmotor?

Samstag, 29. Oktober 2016, 11 Uhr

IV. Fritz Haller: Nachhaltiges Bauen für eine bessere Gesellschaft

Samstag, 5. November 2016, 11 Uhr

Eine Veranstaltungsreihe unterstützt von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwisenschaften (SAGW) und durchgeführt von ihren Mitglied- gesellschaften

www.lasuissenexistepas.ch


Zu den einzelnen Vorträgen

I. «Die Stadt ein grosses Haus und das Haus eine kleine Stadt»: Architektur und Ökonomie

Samstag, 15. Oktober 2016, 11 Uhr

Prof. Dr. Werner Oechslin, Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, wissenschaftliche Leitung

Leonbattista Albertis Bild, das Haus sei wie eine kleine Stadt und die Stadt ein grosses Haus, ist berühmt. Im Grund genommen ist es in der (pseudo-) aristotelischen Oekonomie vorweggenommen, in der die Familie als Modell für die Stadt gilt und beides nach den Prinzipien der Ökonomie, somit ‹haushälterisch› organisiert ist. Oekonomie – von oikos (= Haus) und nomos (= ein Gesetzmässiges) abgeleitet – bildet die Ordnung und den Organismus der Stadt, der die Menschen zum gleichen Ziel der Glücks ndung vereinigt und sie mit Vor- und Nachteilen konfrontiert. Sie muss der Verschiedenheit der Ansprüche dienen («pro hominum varietate in primis eri»). Und das gerät zur schwierigen Quadratur des Kreises, weshalb es notwendigerweise zu Regelungen, zum Ausgleich von Ordnung und Vielfalt, von Disziplin und Freiheit kommen muss. Dem hat sich die Architektur verpflichtet und darauf aufbauend «embellissement» (Stadtverschönerung) und Städtebau entwickelt.

 

II. Die Landbaukunst im Dienste der Hebung der allgemeinen Wohlfahrt

Samstag, 22. Oktober 2016, 11 Uhr

Dr. Anja Buschow Oechslin, Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, wissenschaftliche Mitarbeiterin

Im 18. Jahrhundert wurde im Zusammenhang mit einer allgemeinen Verbesserung der Landwirtschaft auch die zuvor vernachlässigte Landbaukunst von Architekten und Architekturtheoretikern entdeckt. Zahlreiche Publikationen setzen sich mit der Verbesserung der bäuerlichen Wohn- und Nutzbauten auseinander, suchen nach Möglichkeiten der Material- und Kosteneinsparung sowie Rationalisierung im Bauwesen und der Aufklärung des bäuerlichen Bauherren zum allgemeinen Wohl.


III. Die Axenstrasse im 19. Jahrhundert – Ingenieursleistung und Wohlstandsmotor?

Samstag, 29. Oktober 2016, 11 Uhr

Dr. Martin Pozsgai, Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, wissenschaftlicher Mitarbeiter

Im Jahr 1865 eröffnet, musste die erste Strasse zwischen Brunnen und Flüelen die Steilhänge am Ufer des Vierwaldstätter Sees in zahlreichen Tunneln und Galerien überwinden. Der Vortrag wird die technische Leistung darstellen, welche die Ingenieure beim Bau der Axenstrasse vollbracht haben. Gleichzeitig wird beleuchtet, wie weit die Bevölkerung – neben den unmittelbar am Bau beteiligten Arbeitern – und die Wirtschaft von dem Strassenprojekt pro tiert haben.


IV. Fritz Haller: Nachhaltiges Bauen für eine bessere Gesellschaft

Samstag, 5. November 2016, 11 Uhr

Dr. Bernd Kulawik, Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, wissenschaftlicher Mitarbeiter

Für den Schweizer Architekten und Designer Fritz Haller war «der Neubau nur ein Sonderfall des Umbaus». Damit brachte er zum Ausdruck, dass Gebäude langfristig häufig für verschiedene Zwecke genutzt und diesen auch baulich angepasst werden. Haller ist heute vor allem als Designer des Stahlmöbelsystems «USM Haller» bekannt, das sich längst als Klassiker der Moderne etabliert hat. Weniger bekannt ist, dass dieses System nur die kleinste Stufe einer Reihe von Stahlbausystemen für Privat-, Geschäfts- und Fabrikbauten darstellt: Diese «Mini», «Midi» und «Maxi» genannten Systeme der Münsinger Firma USM waren nicht nur zueinander kompatibel, sondern erlaubten auch eine flexible Anpassung der einmal errichteten Gebäude an neue oder erweiterte Nutzungen in grösstmöglicher Flexibilität. Damit sollten sowohl die Arbeits- und Lebensbindungen der Nutzer bzw. Bewohner langfristig verbessert als auch heute wieder besonders aktuelle Anforderungen der Nachhaltigkeit erfüllt werden. Diese waren für Haller schon einige Jahre vor der Publikation des Berichts «Die Grenzen des Wachstums» durch den «Club of Rome» grundlegende Kriterien seiner Tätigkeit als Architekt und seiner Forschungen zu architektonischen Problemen.